Berliner Zeitung: Herr Dr. Schuster, wie hat sich das jüdische Leben in Deutschland in den vergangenen 30 Jahren entwickelt?

Dr. Josef Schuster: Es hat sich sehr positiv entwickelt. Mit dem Fall der Mauer haben der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der damalige Vorsitzende des Zentralrats, Heinz Galinski, vereinbart, Juden aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion aufzunehmen. Die jüdischen Gemeinden in Deutschland hatten 1989 etwa 25.000 Mitglieder. Dank der Zuwanderung haben wir heute an die 100.000 Mitglieder in 105 jüdischen Gemeinden. Es gibt neue Gemeinden, aktives jüdisches Leben hat sich etabliert. Es ist uns gelungen, die jüdischen Zuwanderer  gut zu integrieren: Die Menschen wussten ja wenig von der Religion, weil die Sowjetunion religiöses Leben unterdrückt hatte. Wir haben ihnen gezeigt, dass die jüdischen Gemeinden Kultus-Gemeinden sind und keine Kulturvereine. Außerdem haben die Zuwanderer bei uns die deutsche Sprache gelernt. Ohne die Beherrschung der Sprache kann man nicht in einem anderen Land leben.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.