Als Kind spielte der Brite Riz Ahmed einst selbst mit Star-Wars-Figuren. Nun ist er als Rebellen-Pilot Bodhi Rook in „Rogue One: A Star Wars Story“ zu sehen, seiner ersten großen Blockbuster-Produktion.

Mr. Ahmed, Ihr neuer Film gehört ins Universum der legendärsten Science-Fiction-Reihe aller Zeiten. Wie reagiert man, wenn man die Gelegenheit bekommt, darin eine tragende Rolle zu übernehmen?

Ich erinnere mich noch gut daran, wie aufgeregt ich war. Als der Regisseur Gareth Edwards mich damals bat, für die Rolle vorzusprechen, war noch gar nicht klar, wie die eigentlich aussehen würde. Das Drehbuch war noch im Entstehen und Gareth war noch einigermaßen unsicher, wohin sich die Figur entwickeln und was er mit ihr bezwecken würde. Er bat mich um ein paar Casting-Videos. Und was soll ich sagen? Wenn es um „Star Wars“ geht, ist die Ansage „ein paar“ einfach zu vage.

Will heißen?

Na ja, ich war völlig aus dem Häuschen – und weil unklar war, was er wollte, habe ich dann eben innerhalb von drei Tagen zwölf verschiedene Videos geschickt. Immer wieder andere Akzente, Kostüme, Stimmungen. Irgendwann kam dann mal eine Antwort und die Bitte, doch keine weiteren Videos zu schicken. Ich dachte wirklich, dass ich es verbockt habe. Hätte ja sein können, dass er sich von mir zugemüllt fühlte. Umso größer war dann meine Freude, als er anrief, um zu sagen, dass er mich auf jeden Fall in seinem Film dabei haben wolle.

Wie sieht Ihr persönlicher Bezug zu „Star Wars“ aus?

Das war der erste Film, den ich in meinem Leben gesehen habe. Oder zumindest meine erste Erinnerung. Und der Eindruck, den die Original-Trilogie von George Lucas bei mir hinterlassen hat, ist prägend und dauerhaft gewesen. Die riesigen AT-ATs im Schnee, die Ewoks, Prinzessin Leia im goldenen Bikini – das ließ mich als Kind nicht mehr los und heute ist es kaum anders. Mein Bruder und ich rannten stundenlang durchs Haus und spielten Szenen aus Science-Fiction-Filmen nach, die wir uns selbst ausdachten. Die hießen dann „Space Walker“ oder „Star Battle“. Irgendwann ist er aus der Sache herausgewachsen. Aber ich habe sie zum Beruf gemacht.

In diesem Jahr lief es für Sie so gut wie nie: Außer in „Rogue One“ waren Sie auch in „Jason Bourne“ und in der gefeierten HBO-Serie „The Night Of“ zu sehen. Hat sich Ihr Leben sehr verändert?

Die größte Veränderung ist eigentlich die, dass ich inzwischen fast mehr Zeit damit verbringe, über meine Projekte zu sprechen als sie tatsächlich umzusetzen. Bislang habe ich ja überwiegend in kleineren britischen Filmen mitgespielt, zu denen ich eine Handvoll Interviews gegeben habe und dann hatte es sich damit. Das war mit diesen drei Riesenprojekten innerhalb eines halben Jahres schon anders. Da habe ich gemerkt, dass ich aufpassen muss, auch noch genug Freiräume für mein kreatives Schaffen zu haben ...

... zu dem auch die Musik gehört.

Genau, und gerade in diesem Jahr hat die für mich wieder an Bedeutung gewonnen. Einfach weil sie sich anders als die Schauspielerei viel leichter mal kurzfristig einschieben lässt. Um einen neuen Song aufzunehmen, brauche ich nicht viel, das kann ich auch in meinem Schlafzimmer machen. Um aber auf Ihre Frage zurückzukommen: Ansonsten realisiere ich natürlich, dass die Aufmerksamkeit für meine Arbeit inzwischen deutlich größer ist als früher. Das ist natürlich cool, darüber freue ich mich.

Für „Rogue One“ standen Sie mit Felicity Jones vor der Kamera, die wie Sie in Oxford studierte. Kannten Sie sich aus dem Studium?

Wir waren tatsächlich zur gleichen Zeit dort, hatten allerdings andere Fächer belegt. Deswegen habe ich sie damals nie kennengelernt. Allerdings hat sie mir jetzt verraten, dass sie damals öfter mal zu den Drum’n’Bass-Partys kam, die ich damals am Wochenende oft organisierte. Also im Grunde hatten sich unsere Wege doch schon damals gekreuzt.

Inzwischen bilden Sie mit dem amerikanischen Rapper Heems das Duo Swet Shop Boys, gerade ist das erste Album „Cashmere“ erschienen. Wie verträgt sich die Musik-Karriere mit der Schauspielerei?

Eigentlich gleichen die beiden Jobs sich gegenseitig ganz gut aus. Nicht nur der Abwechslung wegen. Sondern auch weil ich das Gefühl habe, dass ich dadurch meine Film- und Fernsehprojekte sehr viel sorgfältiger auswähle. Einfach weil jede Dreh-Verpflichtung bedeutet, dass ich in der Zeit keine Konzerte geben und nicht im Tonstudio stehen kann. Ich mache also in beiden Bereichen nur die Dinge, für die ich brenne. Was nicht heißt, dass dieser Spagat nicht auch Nachteile hat. Mein Schlafdefizit war dieses Jahr jedenfalls beträchtlich.

Gibt es keine Möglichkeiten, beides unter einen Hut zu bringen?

Hin und wieder gelingt das. Eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens war mein zweiter Kinofilm „Shifty“. Ich spielte nicht nur die Hauptrolle in einem Film von meinen Kumpels, sondern durfte für den Soundtrack auch einen Song mit zwei von mir bewunderten Rappern, nämlich Plan B und Sway, aufnehmen. Alle meine Träume waren damit eigentlich schon Wirklichkeit geworden. Alles was in den acht Jahren seither passiert ist, war letztlich ein Bonus.

Und was kommt als nächstes?

Erst einmal will ich einige von den Drehbüchern zu Ende schreiben, die seit längerem auf meinem Schreibtisch liegen. 2016 ist da einiges liegen geblieben.

Interview: Patrick Heidmann