Zweimal pro Woche Krafttraining, fünf Monate lang, so hat Jake Gyllenhaal seinen Körper in Form gebracht, um in seinem neuen Film „Southpaw“ wie ein durchtrainierter Boxer zu wirken. Spätestens seit seiner Oscar-Nominierung für seine Rolle als schwuler Cowboy in „Brokeback Mountain“ gehört der 34 Jahre alte Amerikaner zur ersten Wahl der Darsteller seiner Generation. Im Drama des mehrfach ausgezeichneten Regisseurs Antione Fuqua spielt Gyllenhaal den Aufstieg und Niedergang eines Profi-Boxers. Und das so leidenschaftlich und engagiert, dass Fiktion und Realität in vielen Szenen zu verschwimmen scheinen.

Sie sind in „Southpaw“ als Boxchampion zu sehen. Wie viele echte Treffer haben Sie während der Dreharbeiten kassiert?

Einige, ich habe ja alles selbst gespielt. Das passiert einfach und gehört auch dazu. Mir ist es irgendwann nicht mehr aufgefallen, weil ich in diese Welt des Boxens abgetaucht bin. Ich habe hart trainiert, mir Kämpfe angesehen. Ich wollte glaubwürdig sein. Dazu gehören auch die Treffer. Wenn du bei so einem Film auf „Nummer sicher“ gehen willst, stimmt am Ende das Resultat nicht.

Was ist unangenehmer: Körper-Treffer oder ein Punch ins Gesicht?

Es ist nicht gerade toll, ins Gesicht geschlagen zu werden. Aber die Körper-Treffer sind schlimmer. Und glauben Sie mir: Ich bin richtig verprügelt worden.

Das sieht man tatsächlich auf der Leinwand. Es gibt keinen Kritiker, der nicht von Ihrer Glaubwürdigkeit als Boxer beeindruckt ist.

Ich habe fünf Monate lang zweimal am Tag trainiert. Was mich angetrieben hat, war die Angst auf der Leinwand wie ein Idiot auszusehen. Es war von Anfang an klar, dass wir die Szenen im Ring wie einen echten Kampf filmen werden, ohne Tricks. Das heißt, es gibt keine Doubles. Und man sieht auch meine Fuß-Arbeit. Ein großer Teil dieser Vorbereitung bestand darin, die Technik zu lernen. Ich habe stundenlang ein und denselben Schlag wiederholt. Immer und immer wieder.

Wie lange hat es gedauert, bis Ihre Schläge wirklich überzeugend wirkten?

Einen Monat. Aber in erster Linie geht es beim Boxen darum zu lernen, den Schlägen auszuweichen. Wir haben bei Null angefangen. Die Trainer haben mich erst gebrochen, dann dekonstruiert und anschließend wieder neu zusammengesetzt.

Gab es den Moment, in dem Sie aufgeben wollten?

Nein, nie. Mich hat diese Dynamik vereinnahmt. Im Sport geht es ja letztlich darum, eine Idee zu realisieren. Oft ist es nur die Strategie, die du umsetzen willst, um den Gegner zu schlagen. Dafür brauchst du am Anfang Grundlagentraining, das kann frustrierend sein. Als ich das hinter mir hatte, spürte ich jeden Tag ein Erfolgserlebnis. Ich wurde immer besser, konnte auch kompliziertere Kombinationen schlagen. Ich war richtig hungrig und habe mich sogar auf das Training am nächsten Tag gefreut.

Wie hat man Sie als Hollywoodstar in der schweißgetränkten Welt des Boxens aufgenommen?

Sehr herzlich. Es gab sogar Kämpfer, die mich in meiner Broadway-Show sehen wollten. Das hat mich gerührt.

Wir haben viel über Boxen gesprochen, aber „Southpaw“ dreht sich ja nur vordergründig um den Kampfsport.

Richtig, es geht um das Boxen als Metapher. Das Leben stellt dich vor verschiedene Herausforderungen und du musst deine Technik und Strategie finden, um dich durchzukämpfen. Und gerade deswegen fand ich das Projekt spannend. Eigentlich geht es um die Frage des Vaterseins. Wie willst Du ein Kind erziehen, wenn du dich selbst von infantilen Gefühlen steuern lässt und sie nicht in den Griff bekommst? Mein Regisseur Antoine Fuqua hat mir gesagt, er macht diesen Film nur zum Teil wegen seiner Liebe zum Boxsport. Er wollte einen Film für Männer machen, die sehr jung Väter geworden sind oder werden.

Und was sollen die aus diesem Film lernen?

Dass Vaterschaft eine der ehrenwertesten Aufgaben ist, die in unserem Leben existieren. Das war ihm sehr wichtig.

Sie haben keine Kinder. Wie hat die Zusammenarbeit geklappt?

Ich habe bisher ja noch nie richtig mit Kindern gearbeitet. Und ich muss sagen, als ich mich das erste Mal mit Oona Laurence getroffen habe, die im Film meine Tochter spielt, habe ich gleich einen Draht zu ihr gehabt. Als wir dann die ersten Szenen zusammen gespielt haben, fing sie an, mit unglaublich viel Fantasie zu improvisieren. Und letztlich hat sie mich mit ihren 13 Jahren an der Hand genommen und durch diese Szenen geleitet.

Was haben Sie da gedacht?

Dass das wie eine Vater-Tochter-Beziehung ist.

So wie sie davon sprechen, stellt sich die Frage: Wenn nehmen Sie das Projekt Vaterschaft in Angriff?

Ich hoffe, dass ich eines Tages auch Vater werde. Für ein Kind würde ich wirklich alles tun. Und es ist ganz egal, ob es mein leibliches Kind ist oder nicht.

Ein anderer Aspekt: Der Mann, den Sie spielen, trägt eine Menge Wut in sich.

Diese Wut setzt er als Boxer im Ring ein, sie setzt die Kraft frei, mit der er seine Kämpfe gewinnt. Aber es ist auch diese Wut, die in seinem Leben jenseits des Sports alles zerstört. So entwickelt sich eine fatale Abwärtsspirale.

Wie gehen Sie mit Ihrer persönlichen Wut um?

Wut kann motivierend sein, finde ich. Aber Wut und Hass ist keine gute Kombination. Der Mensch, den ich im Film spiele, ist tief in seinem Herzen ein guter Mann. Solche Männer sind selten in der Gesellschaft. Deshalb spiele ich den einzig wahren Superhelden des Kino-Sommers …(lacht).

Das Gepräch führte Bettina Aust.