Berlin -  Berliner Grundschüler dürfen ab Montag ohne Maske in den Unterricht. Das ist gut und freut viele Kinder und Eltern. Trotzdem warnen einige nun vor einer neuen Corona-Welle. Als Grund muss wieder der Osten herhalten. Hier würden die Werte massiv steigen, heißt es.

Das ist in mehrfacher Hinsicht ärgerlich. Vor allem weil dabei ein übliches Klischee bedient wird. Wieder wird „der Osten“ pauschalisiert. Wie auch bei der aktuellen Wahl. Wieder hieß es, der Osten habe ein AfD-Problem. Dabei wird selten differenziert. Die AfD ist stark im Süden Ostdeutschlands, in Sachsen mit 24,6 Prozent sogar stärkste Partei. Aber bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern war die SPD fast doppelt so stark wie die AfD.

Trotzdem ist in der westdominierten Sicht der bundesdeutschen Öffentlichkeit im Osten meist alles eins. So auch bei den nun beklagten Inzidenzen: Der Sieben-Tage-Wert lag in Sachsen am Mittwoch nach Angaben der Landesregierung bei 40,2 und schwankt seit 12. September zwischen 39 bis 43. Am 1. September lag er bei 19,5. Er hat sich innerhalb von vier Wochen verdoppelt. Das sorgt für Schlagzeilen.

In Baden-Württemberg stieg der Wert doppelt so schnell

Ein Blick nach Baden-Württemberg. Dort liegt der Wert bei 80,4. Er ist doppelt so hoch wie in Sachsen. Auch im Südwesten stieg der Wert schnell: Von 29,3 Prozent am 14. August auf 78,5 am 29. August. Das war mehr als eine Verdoppelung – und ging doppelt so schnell wie in Sachsen.

Aber das sorgte nicht für Schlagzeilen. Es wurde auch nicht behauptet, dass dies für eine bedenkliche Entwicklung im gesamten Westen spreche. Gegen diese Stigmatisierung hätten sich nicht nur die Norddeutschen verwahrt.

Bleibt die Frage, warum manche Politiker und Wissenschaftler auch 30 Jahre nach der Einheit den Osten weiterhin pauschal als ein großes Ganzes ansehen und sich weigern, nach Bundesländern zu unterscheiden, wie sie es auch im Westen machen.