Präsident Donald Trump sieht die USA dem Druck gleich zweier Widersacher ausgesetzt.
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WashingtonGlaubt man den Fernsehbildern, verbringt Donald Trump gerade eine entspannte Urlaubszeit. Außer ein paar Spendengalas stehen keine öffentlichen Termine in seinem Kalender, und die einzige sichtbare tägliche Aktivität des US-Präsidenten besteht bei sonnigen 27 Grad in der Fahrt von seiner Riesenvilla in Palm Beach zum nahe gelegenen Golfplatz.

Tatsächlich aber hat sich zu Beginn des neuen Jahres die größte außenpolitische Herausforderung in Trumps Amtszeit zusammengebraut: Mit Iran und Nordkorea demütigen zwei langjährige Widersacher die USA mit gewalttätigen Provokationen und Drohungen.

Auch nach dem Abbruch der Stürmung durch pro-iranische Demonstranten hält die Spannung rund um die amerikanische Botschaft im Irak an. Bis auf weiteres bleibt der festungsartige Komplex in Bagdad geschlossen, 750 Fallschirmjäger wurden für den Fall einer weiteren Eskalation in die Region verlegt, und US-Außenminister Mike Pompeo sagte eine Reise in die Ukraine ab.

Gleichzeitig hallt in Washington die martialische Neujahrsbotschaft des nordkoreanischen Machthabers Kim Jong-un nach, der mit einer „schockierenden effektiven Aktion“ drohte, um die USA „für das Leid zahlen zu lassen, das unsere Bürger bisher ertrugen“.

Druck  vs. Umschmeichelungen: zwei konträre Strategien

„Wenn man Trumps Außenpolitik in einem Wort zusammenfassen kann, dann ist es Hybris“, sagt der amerikanische Nahost-Experte Vali Nasr: „Vermeidbare Fehler haben nun zwei gefährliche Krisen mit dem Iran und Nordkorea produziert“. Tatsächlich hatte Trump immer wieder behauptet, dank seiner Politik sei der Iran inzwischen „ein sehr anderes Land“ geworden und er jubelte bei Twitter: „Es gibt keine nukleare Bedrohung durch Nordkorea mehr“. Im besten Fall könne man beide Behauptungen als „maßlos unausgegoren“ bezeichnen, urteilt nun David Sanger, der außenpolitische Chefkorrespondent der New York Times.

Tatsächlich hat Trump gegenüber Iran und Nordkorea zwei konträre Strategien seiner vermeintlich genialen Verhandlungskunst eingesetzt: Während er die Mullahs mit der Aufkündigung des Atomabkommens und schwersten Wirtschaftssanktionen unter maximalen Druck zu setzen versucht, lässt er keine Gelegenheit aus, den nordkoreanischen Diktator zu umschmeicheln. Auch auf die jüngsten Provokationen reagierte er widersprüchlich.

Die Luft wird enger

Er werde den Iran für den Angriff auf die US-Botschaft voll zur Verantwortung ziehen, twitterte er: „Das ist keine Warnung, sondern eine Drohung. Frohes Neues Jahr!“ Die Ankündigung einer „neuen strategischen Waffe“ durch Kim, der sich nicht mehr an das Moratorium für Atomwaffentests halten will, spielte Trump hingegen herunter. „Er mag mich. Ich mag ihn“, erklärte er: „Er hat ein Abkommen unterzeichnet (…) und ich glaube, er ist ein Mann, der sein Wort hält.“

Nach dem Statement ging Trump in Begleitung seiner Frau Melania auf der Silvesterparty in seinem Luxus-Anwesen Mar-a-Lago feiern. Doch der US-Präsident befindet sich am Beginn des Jahres, das spätestens mit den Wahlen im November über seine politische Zukunft entscheiden wird, in der Bredouille.

Er hat seine Druckmittel ausgereizt

Offensichtlich wurden die gewalttätigen Demonstranten in Bagdad von Iran-freundlichen schiitischen Milizen gesteuert und von irakischen Offiziellen zumindest geduldet. Ein Abzug der verbliebenen 5000 US-Soldaten aus dem Irak, wie ihn Trump versprochen hat, käme unter diesen Umständen einer Kapitulation gleich. Tatsächlich hat Washington nun 120 Marineinfanteristen aus Kuwait nach Bagdad verlegt und hält nach Medienberichten weitere militärische Einsatzkräfte bereit.

Gegen den Iran hat Trump seine ökonomischen Druckmittel ausgereizt. Einen Militärschlag, der den ganzen Mittleren Osten in Brand setzen und sein eigenes politisches Erbe überschatten würde, kann Trump nicht wollen. Andererseits hat er seinen Vorgänger Barack Obama stets massiv für den angeblich mangelhaften Schutz amerikanischer Interessen attackiert und droht nun selbst zum Papiertiger zu werden.

„Nach drei Jahren ohne internationale Krisen erlebt Trump nun eine Krise mit dem Iran, weil er die Diplomatie verweigerte, und eine mit Nordkorea, weil er sich zu sehr auf die Diplomatie verließ“, fasst Richard Haass, der konservative Chef der renommierten Denkfabrik Council on Foreign Relations, das Dilemma des US-Präsidenten zusammen: „Beide Krisen muss er mit geringer Unterstützung der Alliierten, weniger Austausch der Geheimdienste und mitten im Impeachment meistern. Frohes Neues Jahr!“