Ein ukrainischer Angehöriger küsst das Porträt eines der Opfer des Flugzeugabsturzes nahe Teheran. 
Foto: picture alliance/Efrem Lukatsky

Es werden vielleicht Jahre vergehen, bis der Absturz des ukrainischen Passagierflugzeuges bei Teheran in dieser Woche zweifelsfrei aufgeklärt ist. Doch es scheint schon jetzt deutliche Indizien dafür zu geben, dass es von einer iranischen Rakete abgeschossen wurde, und das vermutlich versehentlich. Damit wären die 176 Menschen an Bord die ersten und darüber hinaus auch noch zivilen Opfer des jüngst zugespitzten Konfliktes zwischen Iran und den USA.

Trump twitterte nach den Angriffen: „Alles ist gut“

Die beiden Staaten befinden sich juristisch gesehen nicht im Krieg, trotzdem kann man die 176 Menschen, die beim Absturz von Flug PS752 ums Leben kamen, als Kriegsopfer bezeichnen. Die Angriffe, die der Iran in dieser Woche auf US-Militärstützpunkte im Irak verübte, verliefen glimpflich. Keine Verletzten, keine Toten, heißt es zumindest vonseiten der USA. „Alles ist gut“, hatte US-Präsident Donald Trump danach getwittert.

Nein, es ist nicht alles gut.

An Bord der mutmaßlich abgeschossenen Boeing 737 waren viele junge Menschen. Unter ihnen waren auch viele Kinder. Das kleinste war erst 2018 geboren worden, also noch keine zwei Jahre alt. Man kann das der Passagierliste entnehmen, die die ukrainische Fluggesellschaft, der die Boeing 737 gehörte, ins Netz gestellt hat. Besonders viele Opfer waren Kanadier mit iranschen Wurzeln. Es starben aber auch Deutsche, Briten, Schweden, Ukrainer und Afghanen.

Vor ein paar Jahren gab es in einer amerikanischen Fachzeitschrift den Aufsatz einer Forschergruppe, die schätzte, dass in den kriegerischen Konflikten seit 1945 etwa 85 bis 90 Prozent der Opfer Zivilisten gewesen seien. Mit anderen Worten: Es gibt keine gerechten Kriege.