Berlin - Weil er im letzten Jahr vor der rechtspopulistischen Vereinigung „Reichsbürger“ aufgetreten ist, musste sich der Mannheimer Sänger Xavier Naidoo („Dieser Weg“) harscher Kritik aussetzen – nun hat er unter anderem dafür den ironischen Preis „Goldener Aluhut“ in der Kategorie Rechtsesoterik, Reichsbürger & BRD-GmbH erhalten. Die Verleihung fand in Berlin statt.

Organisiert wird der Preis von Giulia Silberberger und ihren Mitstreitern. Die 34-jährige Berlinerin hatte im Sommer auf Facebook zunächst Vorschläge für potenzielle Preisträger gesammelt. Die schließlich Nominierten wurden auf fünf Preiskategorien aufgeteilt. Rund 7000 Menschen stimmten Silberberger zufolge über den Gewinner ab.

Xavier Naidoo hatte dabei in seiner Kategorie mit 61 Prozent der Stimmen erhalten. Der Sänger hatte einige Monate nach seinem Auftritt gegenüber dem Magazin „Stern“ erklärt, dass Deutschland kein souveränes Land sei. Denn, so auch die Theorie der „Reichsbürger", die Amerikaner dürften aufgrund geheimer Vereinbarungen mit der Bundesregierung die Deutschen überwachen. Außerdem sei am 11. September 2001 nicht alles so abgelaufen, wie es in den Medien dargestellt werde.

Impfgegner bekommt auch einen „Aluhut“

Neben dem 45-Jährigen Sänger gibt noch weitere Gewinner der Auszeichnung: So erhielt die „Einhorn-Therapie“ der Hamburger Wrage GmbH in der Kategorie Esoterik, Gedankenkontrolle und Pseudo-Wissenschaften einen Preis - sie bieten Tagesseminare zum Erlernen von Einhorn-Kräften an. Ein weiterer Konkurrent war der Autor Dieter Bremer. Er behauptet auf seiner Website, die sagenumwobene Stadt Atlantis sei in Wahrheit ein Raumschiff gewesen. In der Kategorie Medizin setzte sich die Gruppe „Impfen? Nein, Danke!“ hauchdünn vor Richard Hiltner durch, der die Ebola-Epidemie in Westafrika mit homöopathischen Mitteln hatte stoppen wollen.

Kritische Auseinandersetzung mit

Was für Außenstehende amüsant klingt, hat einen ernsten Hintergrund: „Sekten und Verschwörungstheorien sind immer weiter in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Silberberger und spricht von einer regelrechten „Epidemie“ in den sozialen Netzwerken. Die gelernte PR-Frau weiß, wovon sie spricht: Sie wuchs bei den Zeugen Jehovas auf und konnte sich erst nach jahrelangem Kampf aus der engen Umklammerung der Glaubensgemeinschaft befreien. „Ich habe mir gesagt, ich muss mein Wissen teilen“, sagt Silberberger über den Start ihres Blogs dergoldenealuhut.de. Dort setzt sie sich mit inzwischen zwölf ehrenamtlichen Redakteuren kritisch mit Verschwörungstheorien auseinander. (red/afp)