Tel Aviv - Zwei Männer in Kampfanzügen, der eine hat einen furchterregenden Säbel in der Hand, der andere hält ein sichelförmiges Gerät in der Faust, um die Attacke abzuwehren. Es dauert nur Sekunden, dann ist der Angreifer entwaffnet.

Wo „Action“ ist, sind auch die Zuschauer auf Israels größter Waffenmesse ISDEF. Fasziniert verfolgen sie das Kampfgeschehen, bei dem der Messerstecher routiniert überwältigt wird, egal aus welcher Richtung er kommt. Gegen den Mann, der mit der am Handgelenk befestigten Sichelkralle aus hartem Polymer-Kunststoff die Klinge auffängt und weghaut, hat er keine Chance. „Wäre nicht schlecht, wenn unsere Polizei mit diesen Dingern ausgerüstet würde“, meint einer. Dann könnten Attentäter wie jüngst in London weniger Unheil anstiften.

Barrieren aus Spezialbeton

Mit der wachsenden Terrorbedrohung in Europa erschließen sich nicht nur für israelische Sicherheitsfirmen neue Märkte. An vielen Ständen auf der ISDEF, die alle zwei Jahre in Tel Aviv stattfindet, werden Neuheiten zum Schutz vor Anschlägen präsentiert. Mobile Barrieren bieten etwa die Tschechen an. Sie bestehen aus vier Zentimeter dicken und 1, 5 Meter langen Platten aus Spezialbeton, die sich im Baukastensystem in kurzer Zeit zu Absperrungen auftürmen lassen. Mit dem Bundesland Sachsen sei man bereits ins Geschäft gekommen, sagt Jindrich Fornusek, Unternehmensdirektor von „Mob-Bars“. Gegen Schusswaffen sei man mit den an der Universität in Prag entwickelten Barrieren gut gewappnet. Ob sie auch Rammattacken mit Fahrzeugen standhielten, werde demnächst erprobt, so Fornusek.

Die Nase vorn bei solchen Abwehrmaßnahmen haben allerdings die Israelis. Nicht zuletzt, weil sich ihre Sicherheitstechnik und Militärindustrie im Konflikt mit den Palästinensern zu einem enormer Wirtschaftsfaktor gemausert hat. Israels Export von Produkten zur Terrorprävention wird auf jährlich sieben Milliarden US-Dollar geschätzt. Angesichts der globalen Gefahrenlage sei da „wohl noch Luft nach oben“, meint Ron Naor.

20.000 Euro für neun „sichere“ Quadratmeter

Er vertritt auf der ISDEF die Firma Ortech, die Gebäude bombensicher macht. Innenwände und Fenster werden dabei mit einem relativ leichten, relativ dünnen Schichtmaterial aus Kohlenstoff verstärkt, der verhindern soll, dass die Mauern im Falle einer Explosion einstürzen. Kostenpunkt: etwa 20.000 Euro pro neun Quadratmeter.

Aber, sagt Naor, so ausgerüstet wäre der deutschen Botschaft neulich bei dem Anschlag in Kabul nicht viel passiert. „Früher waren solche Szenarien für die Welt nur Theorie, inzwischen sind sie realistisch geworden.“

Roboter entschärfen Bomben

Dennoch fühlt man sich beim Gang über die Tel Aviver Waffenmesse bisweilen wie im Science Fiction-Film. Vorgeführt werden Anti-Drohnen-Systeme, die feindliche unbemannte Flugkörper erfassen und über Störfrequenzen ausschalten. Nebenan sind komplexe Roboter ausgestellt, die dank Panzerketten auf jedem Gelände vorankommen, um mit ihren Greifern Sprengsätze zu entschärfen. Schöne, neue (Männer-)Welt – auf Krieg spezialisiert.

Die Gegenveranstaltung findet in der Dubnov-Galerie in Tel Aviv statt, organisiert von einem Bündnis linker und feministischer Gruppen. Sie prangern die zunehmende Militarisierung der Gesellschaft an. Israel hält sich zwar zugute, besonders schnell auf Anschläge zu reagieren. Gerade weil Soldaten, Siedler und private Sicherheitskräfte oft auch im Zivilleben eine Schusswaffe mit sich führen, wurden während der „Messer-Intifada“ Attentäter vielfach unschädlich gemacht, bevor sie zustechen konnten.

Auf die Kehrseite verweist die israelisch-arabisch Anwältin Maisa Irschaid. Sie sagt, „je mehr legale Waffen in Umlauf sind, umso mehr wird der illegale Waffenbesitz zum Problem.“ Davon abgesehen, seien binnen zehn Jahren 34 Unschuldige von privaten Wachleuten erschossen worden.