Dass die erste Kritische Islamkonferenz (KIK) vom „Zentralrat der Ex-Muslime“ organisiert wurde, hat man ihr als Geburtsfehler angerechnet. Den Initiatoren des Forums ging es 2008 in Köln darum, sich nicht länger vereinnahmen zu lassen. Mina Ahadi, eine der Günderinnen der KIK, erklärte damals, nicht jeder, der aus einem muslimischen Land käme, sei deshalb auch ein gläubiger Muslim. Ahadi, die im Iran geboren wurde und dort Medizin studierte, bis ihr Protest gegen und die Verfolgung durch das Mullah-Regime sie zur Flucht zwangen, sah sich selbst als bestes Beispiel für diese Regel. Es empörte sie, dass islamische Vereine und Verbände sich das Recht nahmen, für dreieinhalb Millionen Muslime in Deutschland sprechen zu dürfen.

Die Kritische Islamkonferenz wollte sich also um keinen Preis gemein machen mit einer institutionalisierten Form des Islam. Man verstand den Zentralrat der Ex-Muslime als gezielte und gelungene Provokation. Inzwischen hat sich die Provokation erschöpft. Man will sich öffnen, auch für liberale Muslime. Standen auf der Gästeliste der letzten Kritischen Islamkonferenz noch vornehmlich religionsfreie Islamkritiker, werden nun auch Vertreter eines liberalen Islam sprechen. Man will die offene Gesellschaft gegen ihre Feinde verteidigen: den politischen Islam und die „chauvinistische Fremdenfeindlichkeit“.

Ein zeitgemäßer Islam, Integration, Emanzipation und sexuelle Selbstbestimmung – die KIK nimmt einen ganzen Themenpool zum Anlass, der Vorgängerveranstaltung am Wochenende in Berlin eine neue Diskussionsrunde folgen zu lassen. Die Kritische Islamkonferenz versteht sich dabei als alternatives Dialogforum, das bewusst die Abgrenzung zur regierungsamtlich organisierten Islamkonferenz sucht.

Nach der Sarrazin-Debatte, den geopolitischen Erschütterungen der arabischen Revolution, dem Erstarken der Salafisten und der gut gemeinten, aber letztlich kontraproduktiven Einführung des Islamunterrichts sei es an der Zeit, den aufklärerischen Impuls aufzufrischen, heißt es im Veranstaltungsflyer.

Die teilnehmenden Politiker und Wissenschaftler sind eingeladen, unter dem Motto „Selbstbestimmung statt Gruppenzwang“ Wege einer erfolgreichen Integration zu debattieren. Dem zeitgemäßen Islam solle die Emanzipation des Einzelnen und die Entpolitisierung der islamischen Religionsgemeinschaften vorausgehen. Integration könne eben nicht durch eine Stärkung der religiösen Identität gelingen, sagt Michael Schmidt-Salomon, Vorstandssprecher der für die Veranstaltung mitverantwortlichen Giordano-Bruno-Stiftung. „Die deutsche Islam- und Integrationsdebatte krankt daran, dass die Individuen auf religiöse oder ethnische Gruppenidentitäten reduziert werden, was die Emanzipation des Einzelnen behindert und die Entwicklung von Parallelgesellschaften fördert. Seltsamerweise arbeiten Islamisten und Muslimhasser hier Hand in Hand: Beide fokussieren die Gruppe, nicht das Individuum.“