Islamfeindliche Bewegung: Diese Frauen und Männer stecken hinter dem Pegida-Aufstieg

Berlin - Über diese Durchschnittstypen aus Sachsen redet ganz Deutschland seit nun schon einem Jahr. Der Bundesinnenminister bezeichnet sie als „harte Rechtsextremisten“, die Polizeigewerkschaften fordern ihre Beobachtung durch den Verfassungsschutz, gegen ihre Mitläufer und Gastredner ermittelt die Staatsanwaltschaft. Und doch bringen die Köpfe der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) seit einem Jahr Zehntausende Menschen auf die Straßen von Dresden, um gegen „Asylchaos“, Zuwanderung und Muslime zu protestieren. Dabei fing alles als kleiner virtueller Stammtisch bei Facebook an – mit einer Clique einfacher Leute aus Dresden und vor allem dem Umland der Hauptstadt Sachsens. Wir stellen die fünf wichtigsten Köpfe hinter Pegida vor:

Erfinder und Anführer: Lutz Bachmann, 42

Er ist der Initiator und das Gesicht von Pegida: Lutz Bachmann. Der Chef einer Ein-Mann-Werbeagentur, der heute im 3000-Einwohner-Dorf Kesselsdorf bei Dresden lebt, wird am 10. Oktober 2014 in Dresden Zeuge einer Soli-Kundgebung für den Kampf der kurdischen Partei PKK gegen die IS-Dschihadisten. Es regt ihn auf, dass nun „Glaubenskriege auf deutschem Boden“ ausgetragen werden: Anfang Oktober gab es Straßenschlachten zwischen Kurden und Islamisten in Celle und Hamburg. Er will etwas tun, und da fällt ihm zuerst Facebook ein. Bachmann hatte schon während des Elbe-Hochwassers 2013 das soziale Netzwerk virtuos genutzt und mit mehreren Facebook-Gruppen ein Fluthilfezentrum organisiert und Hilfsgüter und Spenden gesammelt.

Dafür bekam er im Namen des Ministerpräsidenten sogar den Fluthelferorden. Also will er nun auch seinen Protest gegen „die fortschreitende Islamisierung unseres Landes“ im Internet organisieren: Am Tag nach der Dresdner Kurden-Demo legt er bei Facebook eine geschlossene Gruppe an: „Friedliche Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Er lädt nur seinen engsten Freundeskreis ein; Leute aus der Dresdner Partyszene und Fans von Sportvereinen – allerdings sind darunter auch Leute mit Kontakten zu Hooligans und ins Rotlichtmilieu. Denn Lutz Bachmann, in der Kleinstadt Coswig bei Dresden als Sohn eines Fleischers aufgewachsen, war nach seinem Abitur und der Kochlehre selbst auf die schiefe Bahn geraten, wurde 1998 wegen 16-fachen Einbruchs mit Diebstahl zu fast vier Jahren Haft verurteilt, floh nach Südafrika, taucht unter, wird aber schließlich abgeschoben und muss 14 Monate in Haft.

2010 folgte die nächste Verurteilung: zwei Jahre auf Bewährung wegen Drogenhandels. Bei Facebook regt er nun an, Demonstrationen gegen die Islamisierung zu starten – aber unter der Selbstbezeichnung „Patriot“, damit gegen die geplante erste Demo nicht die „Nazikeule“ geschwungen werden könne. Ansonsten ist er weniger zimperlich: In seinen öffentlichen Facebook-Kommentaren nennt er Flüchtlinge „Dreckspack“ und „Viehzeug“, als die Pegida-Demos immer größer werden, postet er: „Deutschland erwacht, wir werden jeden Tag mehr!“ Ähnlich klingen seine Reden, die er bei Pegida hält. Bis heute.

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