Islamisten festgenommen: Anti-Terroreinsätze in Berlin - kein Sprengstoff gefunden

Polizisten waren am Donnerstag in Berlin wegen Terrorverdachts im Großeinsatz. Am Donnerstagnachmittag durchsuchten sie in Charlottenburg die Räume eines islamischen Kulturvereins. Die Behörden vermuten, dass in der Seituna-Moschee an der Sophie-Charlotten-Straße ein Anschlag geplant wurde.

Im Zuge der Ermittlungen wurden wenig später in Neukölln ein Syrer und ein Tunesier festgenommen, die zur Islamistenszene gehören.

„Für Berlin bestand keine Gefahr“, sagte Polizeipräsident Klaus Kandt am Donnerstagabend. Die Polizei hat nach eigener Aussage keine Erkenntnisse, dass die Männer im Alter von 28 und 46 Jahren einen Anschlag in der Hauptstadt vorbereitet haben. Offen blieb aber, ob es gegen die Festgenommenen, einen Syrer und einen Tunesier, Haftbefehle geben wird. Die beiden Männer werden dem Einflussbereich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zugeordnet. Sie waren in der Karl-Elsasser-Straße in Britz festgenommen worden. In einem Fahrzeug vermuteter Sprengstoff war nicht gefunden worden.

Hingegen verfolgen die Behörden nach Angaben von Ermittlern Spuren nach Dortmund, wo sie möglicherweise einen Sprengstoffanschlag planten.

Häuser evakuiert

Gegen 15 Uhr waren Beamte in das Gebäude des Moscheevereins eingedrungen, darunter schwer bewaffnete Angehörige des Spezialeinsatzkommandos (SEK). „Die Generalstaatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt ermitteln wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“, formulierte Polizeisprecher Stefan Redlich. „Wir haben den Kulturverein durchsucht nach Beweisen, ob sich der Verdacht erhärten lässt.“

Sprengstoff oder Waffen fanden die Polizisten aber nicht. Auch der Einsatz von Sprengmittel-Spürhunden blieb ohne Ergebnis.

Einen weiteren Großeinsatz gab es bis zum Abend auch an der Andreasberger Straße im Neuköllner Stadtteil Britz. Dort wurde ein blauer Kleintransporter sichergestellt, der den beiden Verdächtigen zugeordnet wird. Die Ermittler vermuteten darin einen „sprengstoffverdächtigen Gegenstand“, eine Tasche. Die Polizei richtete vorsorglich einen 300 Meter großen Sperrkreis ein. Mehrere Häuser wurden evakuiert.

Hundertschaften der Polizei und das SEK waren vor Ort, ebenso die Feuerwehr mit einem Notarzt, mehreren Rettungswagen und einem Löschfahrzeug. Spezialeinheiten aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt wurden nach Informationen der Berliner Zeitung gebeten, sich als Verstärkung bereitzuhalten.

Etwa 80 Bewohner der umliegenden Häuser wurden in Sicherheit gebracht. Das Bezirksamt stellte eine Turnhalle zur Verfügung. Gegen 18.30 Uhr machten sich die Entschärfer der Kriminaltechnik daran, den Wagen zu öffnen. Um 19?Uhr gaben sie Entwarnung: Der Wagen enthielt keinen Sprengstoff.

Die Seituna-Moschee ist den Sicherheitsbehörden bislang nicht als eine Hochburg radikaler Islamisten bekannt. Als Hochburgen gelten die Al-Nur-Moschee in Neukölln, die As-Sahaba-Moschee in Wedding sowie die Ibrahim-el-Khalil-Moschee in Tempelhof. Letztere wurde Ende September von der Polizei durchsucht. Dort sollen Muslime für den bewaffneten Kampf beim IS in Syrien rekrutiert worden sein.