Hamburg - Die Terroristen der Organisation „Islamischer Staat“ (IS) nutzen nach Recherchen des ARD-Politikmagazins „Panorama“ einen Internetdienst, der von deutschen Neonazis zur sicheren Kommunikation gegründet wurde. Demnach ist das „Medienzentrum“ des IS über eine E-Mail-Adresse des Services „0x300“ erreichbar. Diese wurde in der dritten Ausgabe des Propagandablatts der Islamisten, „Dabiq“, die im Sommer erschien, als Möglichkeit zur Kontaktaufnahme erwähnt.

Laut Informationen des Nachrichtenmagazins sind die Betreiber von „0x300“ Neonazis aus dem Ruhrgebiet. Als Schlüsselfigur dieses rechtsextremen Internet-Netzwerks gilt der 29-jährige Dortmunder Dennis Giemsch. Er war Anführer des 2012 verbotenen „Nationalen Widerstands Dortmund“, ist nordrhein-westfälischer Landesvorsitzender der Neonazi-Partei „Die Rechte“ und sitzt seit Juli im Rat der Ruhrgebietsstadt, als Nachrücker für Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt. Nach Aussage eines Aussteigers aus der rechten Szene bekannte sich Informatikstudent Giemsch im Kameradenkreis offen dazu, „0x300“ zu betreiben. Dies bestätigen auch mehrere Beobachter der Szene.

Für Behörden nicht zugänglich

„Panorama“ berichtet weiter, dass der E-Mail-Dienst vorwiegend von Neonazis genutzt wird. Zahlreiche Mitglieder rechter Kameradschaften wie beispielsweise der „Nationale Widerstand Duisburg“ sowie die „Autonomen Nationalisten Göppingen“ besitzen „0x300“-Adressen und preisen den Service als besonders sicher und für deutsche Behörden nicht zugänglich an. Die IP-Adresse werde nicht gespeichert, der Server stehe in den USA.

Warum der IS ausgerechnet den E-Mail-Service nutzt, der von Neonazis betrieben wird, die in letzter Zeit vermehrt gegen die Salafisten mobil machten, ist offen. Vom NRW-Innenministerium heißt es, dass Verbindungen zwischen Islamisten und Rechtsextremisten nicht bekannt seien. (red)