Tel Aviv - Israels Gesundheitsminister Nitzan Horowitz hat angekündigt, dass Israelis möglicherweise demnächst eine vierte Covid-19-Impfstoffdosis erhalten müssen. Der oberste Coronavirus-Beamte des Landes, Salman Zarka, warnte, dass Israel möglicherweise bereits den Beginn einer fünften Infektionswelle erlebe.

„Es ist nicht unvernünftig zu denken, dass wir eine vierte Dosis von Impfstoff brauchen“, sagte Horowitz in einem Interview mit Channel 12 am Mittwoch, nachdem Daten des Gesundheitsministeriums zeigten, dass neun Prozent der am Dienstag festgestellten Neuinfektionen bei Personen auftraten, die bereits dreimal geimpft wurden. Israel hat seine Bevölkerung fast ausschließlich mit Pfizer/Biontech geimpft. 

Der Coronavirus-Beauftragte  Salman Zarka, der das Pandemie-Management leitet, sagte, er glaube, Israel erlebe bereits die nächste Welle: „Wir befinden uns nicht zwischen den Wellen, wir stehen am Anfang einer neuen Welle“, sagte Zarka am Mittwoch dem öffentlich-rechtlichen Sender Kan. Man habe bei einer möglichen fünften Welle nicht mit einem derartigen Anstieg gerechnet. Man habe eher daran gedacht, dass eine neue, aus dem Ausland importierte Variante Probleme bereiten könne oder mit einem Übergreifen aus Europa gerechnet, sagte Zarka. „Der Anstieg ist jetzt aber zu früh und zu schnell. Ich möchte es nicht die fünfte Welle oder überhaupt eine neue Welle nennen.“

Israel hat diese Woche begonnen, Kinder im Alter von fünf Jahren zu impfen. Die Times of Israel berichtet, dass der Anstieg der Infektionszahlen auf Kinder zurückzuführen sei. Einige Kommentatoren haben demnach den aktuellen Anstieg der Infektionen als „Kinderwelle“ bezeichnet. Ilana Gans, Stabschefin der Abteilung für öffentliche Gesundheitsdienste im Gesundheitsministerium, sagte am Mittwoch, dass rund 30.000 kleine Kinder in Israel Impftermine haben. Etwa eine Million Kinder haben Anspruch auf die Impfung.

Umfragen haben allerdings laut Times of Israel ergeben, dass es in der israelischen Bevölkerung starke Vorbehalte gegen die Impfung von Kindern gebe. Gesundheitsminister Horowitz ist allerdings überzeugt, dass die ersten Anmeldungen für Kinder-Impfungen ein ermutigendes Zeichen seien, dass die Impfung von Kindern doch im größeren Ausmaß werde erfolgen können.