BEER SCHEBA - Die Lautsprecher sind bis zum Anschlag aufgedreht. Zur stampfenden Musik vom Band heizt ein Live-Sänger im Gewand frommer Juden – schwarzer Anzug und schwarze Kippa – den Zuhörern ein. Das Mikrofon verschwindet fast in seinem Vollbart, während er die vorderen Stuhlreihen zum rhythmischen Mitklatschen animiert. Tatsächlich bringt er ein paar Männer dazu, Schulter an Schulter Hora zu tanzen. So wie es bei jüdischen Hochzeiten oder Bar-Mitzwa-Feiern üblich ist, für die sonst meist das Gemeindezentrum in Beer Scheba, Israels größter Wüstenstadt, angemietet wird. An diesem Abend wird in der mit Gipssäulen dekorierten Festhalle Wahlkampf gemacht. Die Nationalreligiösen haben was zum Feiern.

Naftali Bennett, Shootingstar der israelischen Ultranationalisten, wird erwartet. Die meisten Leute sind seinetwegen da, viele ganz junge sind da. „Bennett sagt, was andere Politiker nicht zu sagen wagen, aber was alle denken“, schwärmt Dvir Ravid. Er ist ein Rabbinatsschüler, der mit den letzten Pubertätspickeln kämpft. Erst in wenigen Monaten wird Ravid 18 Jahre alt. Bei der Wahl der Knesset am nächsten Dienstag darf er selber noch nicht seine Stimme abgeben. Aber Naftali Bennett hat es ihm angetan.

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