Das Künstlerkollektiv „Zentrum für Politische Schönheit“ hat sich mit seiner letzten Aktion eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch eingehandelt. Das bestätigte am Mittwoch die Berliner Polizei. Begründung: Ein Künstler des Kollektivs wollte sich am vergangenen Samstag Zutritt zum Bundestag verschaffen, um Bundestagspräsident Norbert Lammert eine Nachbildung der weißen Kreuze zu überreichen.

Die Kreuze erinnern am Berliner Reichstagsufer an die Mauertoten und wurden vor rund einem Jahr in einer Aufsehen erregenden Kunstaktion von den Mitgliedern des Kollektivs entwendet.

Gruppe bestand hauptsächlich aus Kunstinteressierten

Allerdings hatte die Aktion einen entscheidenden Unterschied zu den vorigen. Denn die Gruppe bestand nicht aus Aktivisten des Künstlerkollektivs, sondern hauptsächlich aus Kunstinteressierten, die an einer „Geführten Bustour“ teilnahmen - eine Kunstaktion, die im Spielplan des Berliner Maxim Gorki Theaters ausgeschrieben ist.

Anwesend waren bei der Tour also auch Kunstprofessoren und Theaterkritiker. Auf der Tour berichten Mitglieder vom „Zentrum für Politische Schönheit“ über ihre Aktionen, sie führt zu ihren Schauplätzen von Gatow über Schöneberg und Mitte.

„Uns liegt eine Anzeige wegen Hausfriedensbruch vor, außerdem wurde gegen das Versammlungsgesetz und gegen das Gesetz über befriedete Bezirke für Verfassungsorgane des Bundes verstoßen“, sagte ein Sprecher der Landespolizei Berlin dieser Zeitung. Ein Mann habe versucht, gewaltsam ins Gebäude zu gelangen. Von allen Personen wurden die Personalien aufgenommen.

Unbefugter Einlass

Was war passiert? Laut einer Sprecherin des Bundestags war am Samstagnachmittag ein Reisebus vor das Bundestagsgebäude gefahren. Eine Person, die in Begleitung von rund 40 weiteren Personen war, wollte sich unbefugt Einlass verschaffen, das sei aber von einem Polizeibeamten der Bundestagspolizei verhindert worden, die Gruppe sei wieder zurück zum Bus geleitet worden, bis die Landespolizei eintraf.

„Das war völlig unverhältnismäßig“, sagt Philipp Ruch, künstlerischer Leiter vom „Zentrum für Politische Schönheit“. „In unserem Team sind wir so etwas ja gewöhnt, aber das waren Teilnehmer einer Kunstaktion, also Personen die damit nichts zu tun hatten.“ Laut Ruch wurde die Gruppe im Regen für drei Stunden festgehalten und eingekesselt. „Das war reine Schikane.“

Das kann auch Theaterbesucherin Asta Gröting bestätigen, die bei der Aktion dabei war und eigentlich nur die Tour mitmachen wollte. „Die Bundestagspolizisten waren total überfordert mit der Situation“, sagt die Berliner Künstlerin und Kunstprofessorin. „Wir waren von 22 Polizisten eingekesselt und durften nicht gehen“, sagt sie. Dabei war die Gruppe eigentlich schon wieder auf dem Weg zum Bus, nachdem das Kreuz nicht an Lammert nicht überreicht werden dufte. „Das ist mir noch nie passiert“, sagt Gröting.

Ruch rief daraufhin die Intendantin des Maxim Gorki Theaters, Shermin Langhoff, an. Sie kam zum Bundestagsgebäude, konnte jedoch auch nichts ausrichten. „Der Bus durfte nicht weiterfahren, da erst alle Personalien aufgenommen werden mussten“, sagte Sprecherin Xenia Sircar.

Es ist das zweite Mal, dass die Tour zum Bundestag führte. Beim vorigen Mal sei die Aktion problemlos verlaufen, der Gebäudeschützer hätte Humor bewiesen und mitgemacht, auch wenn sie natürlich nicht reingekommen seien. Philipp Ruch sagt, dass ihm vorgeworfen werde, dass er „gewaltsam die Tür aufgestemmt habe“, was laut seiner Aussage aber nicht der Fall gewesen sei.

Provokante Kunstperformances

Das „Zentrum für Politische Schönheit“ wollte mit der Aktion auf die Gedenkstätte der Mauertoten aufmerksam zu machen. „Die Kreuze aus Sperrholzplatten zerfallen langsam und Herr Lammert hatte versprochen, sich um die Gedenkstätte zu kümmern“, begründet Philipp Ruch die Kunstaktion.

Die Aktionskünstler sind bekannt für provokante Kunstperformances. Zuletzt haben sie eine Rettungsplattform für Flüchtlinge ins Mittelmeer gelassen und angekündigt, eine Steinbrücke zwischen Europa und Afrika bauen zu lassen. Im Sommer beerdigten sie unter großem öffentlichem Interesse ertrunkene Flüchtlinge auf dem Friedhof in Gatow. Im letzten Jahr „liehen“ sie sich die Gedenkkreuze aus und brachten sie an die bulgarisch-türkische Grenze, um gegen die europäische Asylpolitik zu protestieren.