EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Italiens Premierminister Guiseppe Conte. 
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RomDie Regierung in Rom hat staatliche Hilfen in Höhe von bis zu 25 Milliarden Euro beschlossen, um die Folgen der Corona-Epidemie zu bewältigen. Davon müssen 20 Milliarden Euro durch Neuverschuldung finanziert werden, wie Premier Giuseppe Conte am Mittwoch sagte. Die außerordentliche Summe solle nicht als Ganzes sofort eingesetzt werden. „Aber sie könnte nötig werden, um die Probleme dieses Notfalls in den Griff zu bekommen.“

Italien ist in Europa das am stärksten vom Virus betroffene Land. Das öffentliche Leben liegt lahm, sehr viele Geschäfte und Unternehmen sind geschlossen. Auch der Autobauer Fiat teilte am Mittwoch mit, die Produktion einzustellen, um die Werke zu desinfizieren.

Öffentliche Leben in Italien liegt lahm

Italien hat zugleich den zweithöchsten Schuldenberg Europas. Deswegen gab es häufig Konflikte mit der EU. Weil die Neuverschuldung nun deutlich steigen wird, sei man mit Brüssel im Gespräch, hieß es aus Rom. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bereits versichert, dass Italien mit allen Mitteln unterstützt werde. Zudem mehren sich Stimmen, die zur Stärkung der europäischen Wirtschaft in der Corona-Krise eine Lockerung des Stabilitätspakts und der Defizitgrenze von drei Prozent fordern.

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Italiens Finanzminister Roberto Gualtieri betonte, oberstes Ziel des staatlichen Hilfspakets sei, das Gesundheitssystem zu stärken. Es gibt in Norditalien inzwischen mehr schwer Erkrankte als Betten in den Intensivstationen. Ärzte müssen auswählen, welche Patienten sie vorrangig behandeln. „Wir entscheiden nach Alter und Gesundheitszustand, wie im Krieg“, sagte Christian Salaroli, Anästhesist aus Bergamo, dem Corriere della Sera.

Zudem will die Regierung die finanziellen Einbußen für Beschäftigte, Familien und Betriebe abfedern. „Niemand darf wegen des Virus seine Arbeit verlieren“, hat Gualtieri betont. Im Gespräch sind Steuernachlässe für Betriebe und Kurzarbeitergeld. Eltern sollen Zuschüsse für Babysitter oder bezahlten Sonderurlaub erhalten.