Für Italiens Ministerpräsident Mario Draghi ist klar: Die Impfpflicht kommt, die Frage ist nur wann. Der frühere EZB-Präsident ließ vergangene Woche keinen Zweifel daran: Italien dürfte zwar bereits im Oktober eine Impfquote von 90 Prozent aufweisen. Und doch glaubt Draghi, die Pandemie werde erst besiegt sein, wenn alle Italienerinnen und Italiener geimpft sind.

Falls die Italiener auf den letzten Metern noch renitent werden sollten, hat Draghi einen durchsetzungsstarken „Corona-Sonderkommissar“ an seiner Seite: Der 60-jährige Francesco Paolo Figliuolo ist gelernter Gebirgsjäger und hat es bis zum General der italienischen Armee gebracht. Er hat im Kosovo bei der KFOR-Truppe gedient und war in Afghanistan als Kommandant des italienischen Kontingents an der Front am Hindukusch. Zuletzt war er als Chef der militärischen Logistik tätig, kennt also komplexe Operationen und versteht etwas vom zielgenauen Verteilen von Gütern. Noch ist unklar, ob sein vorrangiges Ziel ist, die Durchimpfung so zu steigern, dass es ohne Impfzwang für alle abgehen kann.

Er soll zumindest die Effizienz steigern und die Korruption bekämpfen: Sein Vorgänger Domenico Arcuri soll bei einem Milliarden-Maskendeal mit China 77 Millionen Euro an Provisionen mitgeschnitten haben. Rechte wie linke Parteien applaudierten Draghi daher, als er Arcuri feuerte und den General an die Spitze der Bewegung hievte. Doch die Ankündigung des Impfzwangs stieß sowohl bei der Lega als auch bei den Fratelli auf Ablehnung.

Figliuolo, der aus Potenza stammt und mit seiner Familie bei Turin lebt, hat bisher ohne großen öffentlichen Widerstand die Impfkampagne in Italien erfolgreich vorangetrieben. Er zeigt sich gerne in Uniform. Er trägt stolz seine Orden an der Brust, mitunter tritt er martialisch im Kampfanzug auf. Er tue dies, um die Bevölkerung zu beruhigen, sagt er. Es wird sich zeigen, ob er am Ende auch die Muskeln unter dem feinen Tuch wird spielen lassen müssen.