Wie leer gefegt: In Italien herrscht seit fast einer Woche eine Ausgangssperre.
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BerlinItalien hat in Europa einen schlechten Ruf. Es gilt als größter Problemfall der EU, sein gigantischer Schuldenberg als Bedrohung für den Euro. Ständige Regierungswechsel, Korruption und schrille Ausrutscher prominenter Politiker, von Berlusconi bis Salvini, sorgen im Ausland abwechselnd für Erstaunen, Erheiterung und Empörung. Dass es im chaotischen Italien ebenso an Effizienz wie an Disziplin mangelt, ist ein gängiges Vorurteil.

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In der Coronakrise aber haben die Regierung von Premier Giuseppe Conte und das ganze Land vorgemacht, wie man entschlossen und konsequent handelt. Conte hat angesichts der explodierenden Infektionszahlen anfangs gezögert, dann aber mutig durchgegriffen.

Italiener als Vorreiter

Italien verhängte als erstes Land der Welt eine Ausgangssperre für 60 Millionen Menschen. Und trotz dieser bis vor kurzem noch unvorstellbaren Zumutung steht die ganze Nation hinter ihm. Die angeblich so anarchischen Italiener erweisen sich als Vorreiter in Sachen Disziplin.

Deutschland und andere Länder ziehen nun schrittweise und viel zu zögerlich nach. Dabei ist die Illusion längst verflogen, der Rest Europas könnte in Pandemie-Zeiten sehr viel besser davonkommen als das hart getroffene Italien.

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Klischees hinterfragen

Doch schon heißt es wieder, Italien bringe Europa an den Abgrund: Weil Rom trotz Schulden 25 Milliarden Euro für dringend nötiges zusätzliches Medizin-Personal und zur Abfederung der wirtschaftlichen Corona-Folgen ausgeben will. Auch da handelt Conte mutig. Auch da werden andere nachziehen müssen.

Die derzeitige Ausnahmesituation wäre ein guter Anlass, vorschnelle Urteile und Klischees zu hinterfragen. Und uns ein Beispiel an den Italienern zu nehmen.