Emmanuel Macron
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Rom/ParisDie Regierung in Rom will die seit Jahren insolvente Fluggesellschaft Alitalia im Frühsommer verstaatlichen. Eine neue Gesellschaft mit öffentlichen Geldern solle innerhalb der ersten Juni-Wochen entstehen und Alitalia übernehmen, sagte Arbeitsminister Stefano Patuanelli am Donnerstag im Parlament in Rom. Dabei schloss er Stellenstreichungen nicht aus.

Alitalia macht seit 2002 keinen Profit. Zahlreiche Versuche, einen privaten Käufer - darunter etwa Delta oder Lufthansa - zu finden, scheiterten. Das Unternehmen wurde 2008 privatisiert, brauchte aber immer wieder staatliche Hilfen. Laut Branchenanalyst Andrea Giuricin kostete dies den Steuerzahler in den vergangenen zwölf Jahren rund zehn Milliarden Euro. Das Unternehmen ist seit 2017 insolvent.

Der Staat hatte dem Traditionsunternehmen mit rund 10 000 Arbeitsplätzen in jüngerer Zeit Überbrückungskredite von zusammen rund 1,5 Milliarden Euro gewährt.

Der Luftfahrtkonzern Air France-KLM kann in der Corona-Krise mit staatlichen Finanzhilfen von neun bis elf Milliarden Euro rechnen. Frankreich stützt die Air France mit sieben Milliarden Euro Kredithilfen. Die niederländische Regierung stellte der Schwestergesellschaft KLM zwei bis vier Milliarden Euro in Aussicht.

Frankreich werde Air France drei Milliarden Euro Staatskredite gewähren, erklärte Wirtschaftsminister Bruno Le Maire am Freitag im TV-Sender TF1. Dazu kämen staatliche Garantien für vier Milliarden Euro Bankdarlehen. «Wir müssen unsere nationale Fluggesellschaft retten», sagte Le Maire. Doch: «Das ist kein Blankoscheck.» Air France müsse rentabler werden und die Fluggesellschaft werden, die weltweit am achtsamsten mit der Umwelt umgehe.

Air France-KLM erklärte, der staatliche Kredit werde als Aktionärsdarlehen für vier, maximal sechs Jahre gewährt. Der Bankkredit werde für zwölf Monate gewährt und solle ebenfalls zweimal um ein Jahr verlängert werden können. Die Finanzhilfe müsse noch von der EU-Kommission gebilligt werden.

Air France-KLM erwäge zudem eine Erhöhung des Aktienkapitals und der französische Staat prüfe eine Beteiligung daran, erklärte das Unternehmen. Le Maire versicherte, eine Verstaatlichung sei dabei nicht geplant. Der französische Staat ist derzeit mit 14,3 Prozent größter Anteilseigner von Air France-KLM.

Neben dem Luftfahrtkonzern will Frankreich auch der Autobranche helfen. Le Maire erklärte, die Regierung arbeitet an Garantien für Bankkredite im Umfang bis fünf Milliarden Euro für Renault. Nicht nur die Fluggesellschaften sind weltweit mit dem Zusammenbruch des Luftverkehrs wegen der Corona-Pandemie in schwere Krisen geraten, auch die Autobranche leidet unter Produktions- und Absatzeinbrüchen. Weitere Hilfen plant die französische Regierung auch für die von der Corona-Krise betroffenen Gaststätten und ihre Beschäftigten.