Polizeikontrolle in Rom, an der Grenze zum Vatikanstaat.
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Rom - Regierungschef Giuseppe Conte attestiert den Italienern zwar, dass sich die allermeisten von ihnen an die landesweiten Ausgangssperren hielten. „Ich bin wirklich zufrieden und stolz“, beteuerte er bei einer Video-Pressekonferenz am Dienstagabend. Die Strafen für Verstöße hat seine Regierung aber dennoch drastisch verschärft.

Wer positiv auf das Corona-Virus getestet ist und trotz Quarantäne-Anordnung das Haus verlässt, muss nun mit Gefängnis zwischen einem und fünf Jahren rechnen statt bisher mit drei Monaten. Allen anderen drohen Geldstrafen zwischen 400 und 3000 Euro, wenn sie ohne wichtigen Grund auf den Straßen unterwegs sind.

Bei Quarantäne-Verstößen drohen Gefängnisstrafen

2,2 Millionen Menschen und eine Million Geschäfte hat die Polizei laut Innenministerium kontrolliert, seit die Ausgangsverbote am 10. März in Norditalien und sechs Tage später landesweit verhängt wurden. Es gab mehr als 100.000 Anzeigen. Die Kontrollen sollen auch verhindern, dass Leute aus dem stark von der Epidemie betroffenen Norditalien in Ferienhäuser oder zu ihren Familien in den Süden fahren, wo die Zahl der Infizierten viel niedriger ist.

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Da den Italienern inzwischen selbst Sport im Freien untersagt ist, werden auch Jogger kontrolliert. Wer auf der Straße ist, muss ein Formular dabei haben, in dem er versichert, zum Arzt oder zum Einkaufen zu müssen. Die Polizei darf nun auch Drohnen zur Straßen-Überwachung nutzen.

Conte sagte, die strengen Auflagen zeigten erste Resultate. Tatsächlich ist die Zahl der Neuinfektionen zuletzt drei Tage in Folge zurückgegangen, die Ansteckungsrate ist auf dem niedrigsten Wert seit Ausbruch der Pandemie. Insgesamt sind bisher knapp 70.000 Italiener positiv getestet. Zivilschutzchef Angelo Borrelli vermutet aber, dass die tatsächliche Zahl zehn Mal höher liegt.

Er und andere Experten halten die Hoffnung auf eine Trendumkehr für verfrüht. Denn in den am schwersten getroffenen Städten Mailand, Brescia und Bergamo steigt die Ansteckungskurve weiter. Und es gibt italienweit nach vorübergehendem Rückgang wieder mehr Covid-19-Todesfälle. Allein Dienstag wurden 743 Corona-Tote gezählt. Knapp 7 000 sind es insgesamt bisher, die Sterblichkeit ist die weltweit höchste.

Conte: „Wir alle werden die richtigen Lehren ziehen“

Besonders betroffen von Massen-Ansteckungen sind neben Altenheimen auch Klöster. In Rom wurden jetzt zwei Klöster isoliert, in der Dutzende infizierte Nonnen leben.

Regierungschef Conte, dessen außergewöhnlich hohe Beliebtheitswerte in der Coronakrise weiter steigen, versucht den Italienern Mut zu machen. „Ich bin überzeugt, dass diese harte Probe uns alle besser machen wird“, sagte er. Anders als früher habe man Zeit, über sein Leben, Gewohnheiten und Werte nachzudenken. „Wir alle werden die richtigen Lehren ziehen“, glaubt Conte.