Berlin - Deutschland und Italien wollen in der Flüchtlingskrise noch stärker als bisher im Kampf gegen Schlepperbanden kooperieren. Geplant seien unter anderem eine gemeinsame Trainigsmission zur Stärkung libyscher Sicherheitskräfte in Tunesien, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag nach einem Gespräch mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi in Berlin.

Beide Länder hätten ein „maximales Interesse“, dass die staatlichen Strukturen und Sicherheitskräfte in Libyen wieder gestärkt würden, um Schleuser und den illegalen Flüchtlingsstrom zu bekämpfen. Merkel betonte: „Wir müssen Illegalität bekämpfen und in Legalität überführen.“

Die Kanzlerin bescheinigte Renzi einen erfolgreichen Reformkurs vor allem in der Arbeitsmarktpolitik. Beide Länder wollten auch in diesem Bereich ihre Kooperation „verstärken und neu beleben“. Merkel und Renzi bemühten sich sichtlich um eine Verbesserung der in jüngster Zeit abgekühlten bilateralen Beziehungen. Renzi duzte Merkel beim Auftritt vor Journalisten zum Abschluss seines Besuches mehrfach.

Italien ist nicht mehr das Problem Europas

Künftig will Italien wieder mehr Verantwortung in der EU übernehmen. Laut Ministerpräsident Matteo Renzi gelte das insbesondere auch in der Flüchtlingspolitik. Italien sei nicht mehr das Problem Europas, sondern habe seine Hausaufgaben gemacht.

Renzi forderte dazu auf, populistische Bestrebungen zu bekämpfen. Dazu sei Wirtschaftswachstum nötig. Europa müsse einen anderen Kurs einschlagen und wieder stolz auf sich selbst und auf seine Vergangenheit sein, sagte Renzi.

Merkel erklärte, beide Seiten wollten das „in unserer Macht Stehende tun, um Großbritannien als Mitglied der Europäischen Union zu erhalten“. (dpa)