Washington/Berlin - Der Papa hat es nicht so mit den Frauen – oder besser gesagt: mit dem Respekt vor ihnen. Das zeigte sich spätestens, als im Wahlkampf ein Video auftauchte, in dem der heutige US-Präsident meinte, als mächtiger Mann könne man sich Frauen gegenüber eigentlich alles erlauben. Gemeint war: sexuell alles erlauben. Es war deshalb kein Zufall, dass sogleich ein Women‘s March stattfand, nachdem Donald Trump das Weiße Haus erobert hatte.

Umso bemerkenswerter ist es, dass Tochter Ivanka heute vor ihm Deutschland besucht und in Berlin am „Women20Summit“ teilnimmt, der unter dem Dach der deutschen G20-Präsidentschaft  stattfindet. Ivanka, Lieblingskind des Vaters, soll das Eis brechen – bevor er beim G20-Gipfel im Juli in Hamburg selbst erscheint.

Merkel und Maxima ebenfalls beim W20-Treffen

Die 35-Jährige wird zu dem Gipfel ebenso kommen wie Kanzlerin Angela Merkel, Königin Maxima aus den Niederlanden und Christine Lagarde, Direktorin des Internationalen Währungsfonds. „W20 ist keine Alibi-Veranstaltung. Wir wollen an die Verhandlungstische des G20-Prozesses. Die wirtschaftliche Stärkung von Frauen und ihre gleichberechtigte Teilhabe müssen ins Herz der G20 vordringen“, sagt Mona Küppers, Vorsitzende des federführenden Deutschen Frauenrates.

Am Nachmittag wird Ivanka Trump zur Berliner Siemens-Dependance fahren, um sich über die Ausbildung dort zu informieren. Das Thema Bildung spielte bereits eine große Rolle, als Merkel kürzlich in Washington war und dabei sowohl auf Donald wie auf Ivanka Trump stieß.

Anschließend nimmt Ivanka das Holocaust-Mahnmal in Berlins Mitte in Augenschein. Dies kann, ja muss als Statement verstanden werden. Schließlich zählt mit Stephen Bannon ein Mann zu Trumps zuletzt engsten Beratern, den nicht wenige für einen Wiedergänger der Nationalsozialisten halten.

Was die Tochter in Berlin im Einzelnen sagen wird, ist selbstredend ungewiss. Klar ist: Die Frau mit eigenem Büro im West Wing des Weißen Hauses ist bei weitem mehr als ein bloßes Anhängsel des Vaters.

Das ergibt sich nicht allein aus ihrem Studium an der renommierten Wharton Business School und der Modefirma, die sie betrieb – wenngleich diese zeitweilig so schlecht lief, dass Donald Trump meinte, Werbung dafür machen zu müssen.

Staatsbesuch oder so etwas Ähnliches

Es ergibt sich auch aus dem Agieren ihres Mannes Jared Kushner, der Trump ebenfalls berät und der Bannon in Schach hält. Das Paar ist im ebenso reichen wie liberalen Manhattan groß geworden. Er entstammt einer orthodoxen jüdischen Familie; sie ist zum Judentum konvertiert. Mögen die beiden Donald Trump auch im Wahlkampf unterstützt haben: Reaktionäre sind sie nicht. Und: Sie haben offenbar eine eigene Agenda.

Zwar ist das Amt der Präsidenten-Tochter in der amerikanischen Verfassung nicht vorgesehen; seine Existenz befremdet wie so vieles an den neuen Verhältnissen in Washington. Trotzdem ist Ivanka Trumps Visite ein Staatsbesuch. Oder doch so etwas Ähnliches.