Berlin/Washington - Donald Trump, so heißt es, vertraue nur sich selbst und bestenfalls noch seinen Familienmitgliedern. Wenn das stimmt, dann ist die jüngste Personalentscheidung im Weißen Haus nur logisch. Denn Trump-Tochter Ivanka wird nun offiziell Assistentin ihres Vaters und bekommt sogar einen Anstellungsvertrag. Damit will der US-Präsident der Kritik begegnen, er mache aus der US-Regierungszentrale eine Zweigstelle des Familienunternehmens.

„Vetternwirtschaft“, hatten die Gegner des Populisten aufgeschrien, als vergangene Woche bekannt wurde, dass Ivanka Trump ein Büro im Weißen Haus in Washington beziehen werde. Der Arbeitsvertrag für die 35 Jahre alte Präsidenten-Tochter soll nun für Beruhigung sorgen. Ivanka Trump bekommt zwar kein Geld für die Arbeit als Beraterin ihres Vaters, muss sich aber – wie alle anderen Mitarbeiter der US-Regierung – an Dienstvorschriften halten und sich aus ethischen Gründen etwa aus der Leitung ihres Modeunternehmens zurückziehen.

Ivanka Trump scheint berechenbarer als Steve Bannon

Zusammen mit ihrem Ehemann Jared Kushner, der ebenfalls als Präsidenten-Berater tätig ist, könnte Ivanka Trump so etwas wie die Stimme der Vernunft in einem Weißen Haus sein, in dem es seit Amtstritts Donald Trumps vor zwei Monaten drunter und drüber geht. Noch ist allerdings unklar, ob sich Trumps Familienmitglieder gegen die graue Eminenz, den rechtspopulistischen Chefstrategen Stephen Bannon, durchsetzen können. Bannon liebt das Chaos, Ivanka Trump dagegen scheint im Vergleich zu ihm regelrecht berechenbar.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass US-Präsidenten auf ihre Töchter hören. Anna Roosevelt etwa war zeitweise die Privatsekretärin ihres Vaters Franklin Delano Roosevelt. Eine so prominente Rolle, wie sie Ivanka Trump einnimmt, ist allerdings eher selten. Wie selbstverständlich saß die hochgewachsene Mutter von drei kleinen Kindern zum Beispiel neben Bundeskanzlerin Angela Merkel, als diese vor wenigen Tagen im Weißen Haus zu Gast war. 

Ivanka Trump soll Ende April nach Berlin kommen

Zwar hat Ivanka Trump keine Erfahrung als Politikerin, aber das stört ihren Vater und seine Anhänger nicht. Trump ist gerade wegen seiner Vergangenheit als erklärter Nicht-Politiker zum Präsidenten gewählt worden.

So verwundert es nicht, dass Ivanka Trump an den Vorbereitungen für den Auftritt der Amerikaner auf dem G 20-Gipfel im Juli beteiligt ist. Ende April schon, so ist es geplant, soll sie in Berlin an einem Kongress teilnehmen, an dem es um die Förderung der Rolle von Frauen in der Wirtschaft geht. Die Bundesregierung wird den Auftritt der derzeit wichtigsten Frau an der Seite des US-Präsidenten mit großem Interesse verfolgen. Vielleicht hilft es dabei, das Rätsel Donald Trump zu lösen.