Berlin - Die Hausnummer 13 hat eine der schönsten Fassaden in der Rigaer Straße. Der Gründerzeitbau sieht frisch verputzt aus und etwas nobel. Hellgrau und weiß mit abgesetztem Stuck. Aber das sind eben auch die schwarzen Spuren der Farbbeutel-Attacken, die im Friedrichshainer Samariter-Kiez auf so vielen neuen Fassaden zu sehen sind. Einer dieser Flatschen befindet sich direkt über dem Fenster, aus dem sich ein junger Mann im Kapuzenpulli lässig zum Rauchen lehnt. „Ach, die Kleckse sind schon länger da“, sagt er, winkt ab und lacht ein wenig. Es sei viel ruhiger geworden, er fühle sich wohl hier. Keine Probleme.

Am schlimmsten sieht die Liebigstraße 14 aus, gleich um die Ecke. Dort befand sich eines der letzten alternativen Wohnprojekte im Viertel. Unter massivem Polizeiaufgebot, begleitet von heftigen Krawallen, wurde das Haus vor einem Jahr geräumt. Illegal, wie die ehemaligen Bewohner noch heute betonen. Mittlerweile sind die Wohnungen saniert und seit dem vergangenen Sommer vermietet. Aber die in Terrakotta- und Orangetönen neu verputzte Fassade ist übersät mit Farbbeutelspuren und Graffiti. An der Hauswand kleben dicht an dicht Pamphlete. „Liebig 14 - never rest in peace“, steht da, was so viel bedeutet wie, „wir lassen euch nicht in Ruhe“. Dazu gibt es Aufrufe zur Mahnwache am heutigen Donnerstag und zur „Zombie-Demo“ am Sonnabend.

Schon am vergangenen Wochenende gab es zum ersten Mal seit Monaten wieder Krawalle. Autos und Mülltonnen brannten. Randalierer zogen sich in den Innenhof der Rigaer Straße 96, auf dem sich inzwischen der Zugang zur Liebigstraße 14 befindet. Anwohner kamen erst nach Ausweiskontrollen durch die Polizei in ihre Wohnungen.

Punkkonzert im Museum

Deswegen ist mittlerweile auch den Betreibern des Jugendwiderstandsmuseums an der Rigaer Straße 10 etwas mulmig zumute. Dort, in den Räumen der derzeit nicht mehr von der Gemeinde genutzten Galiläa-Kirche, gibt es eine Dauerausstellung über oppositionelle Jugendbewegungen in der DDR. Der Verein Hedwig-Wachenheim-Gesellschaft vermietet den Saal für wenig Geld. Am heutigen Donnerstag findet ein von Liebig-14-Sympathisanten organisiertes Punkkonzert statt. „Wir hatten hier oft Konzerte der Alternativ-Szene“, sagt Andy Hemke vom Verein. „Nie ist etwas passiert.“