Am 15. April 2019 brannte die Pariser Kathedrale Notre-Dame.
Foto: AFP/Geoffroy van der Hasselt

ParisKurz vor dem Jahrestag des Großbrands in der Pariser Kathedrale Notre-Dame am 15. April sind viele Fragen offen. Durch die Corona-Krise verzögert sich der Wiederaufbau. Klar ist nur: Für Besucher wird das mehr als 850 Jahre alte Gotteshaus noch jahrelang geschlossen bleiben. Die Nachrichtenagentur AFP beantwortet die wichtigsten Fragen vor dem Jahrestag.

Wie steht es um den Wiederaufbau?

Die Arbeiten ruhen seit dem 16. März, einen Tag vor Inkrafttreten der Ausgangssperre in Frankreich. Für die Zeit der Corona-Krise wurde eine ständige Rufbereitschaft für die Baustelle eingerichtet. Denn auch ein Jahr nach dem Brand ist die zwischen 1163 und 1345 errichtete Kathedrale nicht vollständig vor dem Einsturz gerettet.

Welches Risiko besteht?

Schwachpunkt bleibt laut Chefarchitekt Philippe Villeneuve das Gewölbe: Darauf lastet ein 500 Tonnen schweres Eisengerüst, das durch das Feuer teilweise eingeschmolzen ist. Es kann derzeit nicht wie geplant abgebaut werden. Das Gerüst war für Arbeiten an dem Spitzturm von Notre-Dame angebracht - der Turm stürzte bei dem Brand jedoch ebenso ein wie große Teile des Bleidachs.

Was haben die Ermittlungen zu dem Brand ergeben?

Die Pariser Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass ein Kurzschluss oder die achtlos weggeworfene Zigarette eines Bauarbeiters auf dem Dach den Brand verursachte. Hinweise auf gezielte Brandstiftung gibt es nicht.

Wie sieht der Zeitplan für die Arbeiten aus?

Erst nach Ende der Ausgangssperre in Frankreich können die Arbeiten weitergehen, also womöglich im Mai oder Juni. Mit dem eigentlichen Wiederaufbau der Kathedrale nach Abschluss der Sicherungsarbeiten wurde ohnehin erst 2021 gerechnet.

In welcher Form soll Notre-Dame wiedererstehen?

Traditionalisten stehen hier gegen Modernisierer: Chefarchitekt Villeneuve will den eingestürzten Spitzturm identisch wieder aufbauen - nach dem Vorbild des mehr als 90 Meter hohen Turms, den Architekt Eugène Viollet-le-Duc im 19. Jahrhundert auf die Kathedrale setzte. Der französische Architektenverband will zudem den hölzernen Dachstuhl rekonstruieren.

Präsident Emmanuel Macron ist dagegen für einen „kreativen Wiederaufbau“. Der durch die Berliner Reichstagskuppel bekannte britische Architekt Norman Foster schlägt etwa einen Glasturm vor. Andere Ideen reichen von einem Turm in Form einer „ständigen Flamme“ als Erinnerung an den Brand bis hin zu einer Konstruktion aus feuerfestem Metall. Letzteres könnte auch für den Dachstuhl gelten.

Was wird der Wiederaufbau kosten?

Dazu gibt es noch keine verlässlichen Angaben. Allein die Kosten für die Sicherungsmaßnahmen haben sich mit rund 85 Millionen Euro gegenüber der ersten Schätzung nahezu verdreifacht. Zuletzt war von Spendenzusagen in Höhe von mehr als 900 Millionen Euro die Rede, rund ein Drittel kam von den französischen Millionärsfamilien Arnault und Pinault. Aber auch Privatleute in mehr als 150 Ländern haben gespendet.

Welche Umweltrisiken gibt es?

Bei dem Brand schmolzen hunderte Tonnen hochgiftiges Blei vor allem aus dem Dach der Kathedrale. Eine hohe Bleibelastung wurde unter anderem an Schulen und Kinderkrippen festgestellt. Nach Untersuchungen bei 750 Kindern gaben die Behörden Entwarnung. Umweltverbände bleiben skeptisch.

Wann können Touristen Notre-Dame wieder besuchen?

Präsident Macron hat eine Wiedereröffnung bis zu den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 versprochen. Wegen der Corona-Krise scheint dies nun unwahrscheinlich. Als erstes dürfte der Vorplatz der Kathedrale wieder für Besucher eröffnen.