Jaroslaw Kaczynski hat dem polnischen Nachrichtenmagazin Gazeta Polska ein Interview gegeben. Darin attackiert der Vizepremier Polens und Mitglied der Regierungspartei PiS Deutschlands Rolle in Europa und die Haltung der deutschen Bundesregierung gegenüber Russland. Das Interview, das in voller Länge in der Ausgabe der Gazeta Polska am 15. Juni 2022 erscheinen soll, wird auf der Website des Magazins mit Zitat-Auszügen und Schwerpunkten beworben.

Laut Website äußert sich Kaczynski insbesondere über die Deutschen. Kaczynski sagt: „Sie behandeln Polen nicht als gleichberechtigten Partner – ihr Ziel ist es, uns zu spalten, uns in die Schranken zu weisen, uns kleinzuhalten. [...] Und um es klar zu sagen, ich hätte es gerne anders. Und ich hoffe, dass dieses Land eines Tages die Kraft finden wird, sich tiefgreifend zu verändern. Im Moment ist es [Deutschland, Anm. d. Red.] in Europa – ich bedauere es – ein äußerst destruktives Element.“

Verbrechen des Zweiten Weltkriegs wurden nicht gesühnt

Auf der Website sind ganze Auszüge aus dem Gespräch veröffentlicht. Laut Gazeta Polska sagt Kaczynski, dass er der Meinung sei, dass Deutschland mit Russland immer noch nicht gebrochen habe. Warum dies so sei, könne Kaczynski nicht beantworten. Vielleicht möchten die Deutschen zu den Beziehungen vor dem Ukraine-Krieg zurückkehren, vielleicht hätten die Russen kompromittierendes Material gegen die Deutschen in der Hand. Vielleicht sei beides der Fall.

Dann heißt es weiter: „Das Problem ist, dass den Deutschen nach ihren Verbrechen [des Zweiten Weltkriegs, Anm. d. Red.] noch ein echter Transformationsprozess bevorsteht. Sie gewannen nach dem Zweiten Weltkrieg sehr schnell wieder an strategischer Bedeutung [...] und haben sehr schnell die Strafverfolgung von Kriegsverbrechern abgeschafft. Es muss klar gesagt werden: Deutschland hat die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs nicht gesühnt. Dann wurden auch noch die Täter der Verbrechen des Ersten Weltkriegs nicht angemessen bestraft. Deshalb haben sie [die Deutschen, Anm. d. Red.] sich nicht geändert. [...] Natürlich steckt heute kein Hitlerwahn mehr in ihnen, sie operieren mit unterschiedlichen Methoden, aber wenn man sich Bismarck anschaut, dann sind [...] die Ziele dieselben.“

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