Etwa 25 Prozent aller Frauen gingen 2019 vorzeitig in Rente.
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BerlinMehr als jeder fünfte Rentner geht mit Abschlägen vorzeitig in den Ruhestand. So lag der Anteil der neu dazugekommenen Altersrenten mit Abschlägen im vergangenen Jahr bei 22,5 Prozent, wie eine vom Bundestag veröffentlichte Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken zeigt.

Vor allem Frauen nehmen die mit einem früheren Rentenbeginn verbundenen Abschläge in Kauf, bei ihnen lag der Anteil bei 24,8 Prozent. Bei den Männern waren es nur 19,9 Prozent. Insgesamt gingen rund 184.000 Menschen mit Abschlägen in Rente – 2010 waren es mit 320.000 noch deutlich mehr.

Die durchschnittliche Höhe der Rentenabschläge hat 2019 bei Männern 112,57 Euro (brutto) pro Monat betragen, bei Frauen 84,43 Euro. Die Bruttorente betrug 2019 bei Männern durchschnittlich 1520 Euro und 1106 Euro bei Frauen.

Die Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann, die die Anfrage gestellt hatte, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Viele Menschen gehen nicht freiwillig mit Abschlägen vorzeitig in Rente.“ Demnach tun sie das unter anderem, „weil sie gesundheitlich nicht mehr können, aufgrund ihres Alters keine Perspektive mehr auf dem Arbeitsmarkt haben oder vom Jobcenter zwangsverrentet werden“. Diese Altersrentner würden dann mit lebenslangen Rentenabschlägen bestraft. „Das ist nicht akzeptabel.“

Linke-Sozialexpertin Sabine Zimmermann: Renteneintrittsalter wieder auf 65 Jahre absenken

Der Sprecher der Rentenversicherung betonte, die Gründe, sich für eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen zu entscheiden, könnten sehr verschieden sein. Erfasst würden sie nicht. „Versicherte, die jedoch aus gesundheitlichen Gründen einer Erwerbstätigkeit nicht mehr nachgehen können, werden in vielen Fällen keine Altersrente mit Abschlägen sondern eine Erwerbsminderungsrente beantragen.“

Die Rentenversicherung wies darauf hin, dass der Rückgang bei den Abschlägen auch auf das Auslaufen der beiden Rentenarten „Altersrente für Frauen“ und „Altersrente wegen Arbeitslosigkeit oder nach Altersteilzeitarbeit“ zurückzuführen sei. Diese konnten ursprünglich schon ab Erreichen des 60. Lebensjahres – allerdings mit Abschlägen – in Anspruch genommen werden. Diese Möglichkeit besteht zwischenzeitlich nicht mehr.

Viele Versicherte hätten auch die Möglichkeit genutzt, bereits im Alter ab 63 nach 45 Versicherungsjahren ohne Abschläge die Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch zu nehmen.

Zimmermann forderte, das reguläre Renteneintrittsalter müsse wieder auf 65 Jahre abgesenkt werden. „Viele Beschäftigte können nicht bis 67 Jahre arbeiten, somit ist die Rente erst ab 67 für viele Versicherte nichts anderes als eine Rentenkürzung.“ Wer lange eingezahlt habe, müsse unter bestimmten Voraussetzungen auch mit 60 abschlagsfrei in Rente gehen dürfen. „Schuften bis zum Umfallen muss ein Riegel vorgeschoben werden.“