Berlin/New York - Wurde Ghislaine Maxwell, die frühere Partnerin von Jeffrey Epstein, in einem New Yorker Gefängnis misshandelt? Das behaupten die Anwälte der 59-jährigen Britin laut übereinstimmenden US-Medienberichten in einem Brief an einen Bundesrichter in Manhattan. Demnach sei es bei einer Durchsuchung Maxwells in der Haftanstalt im Stadtteil Brooklyn zu körperlicher Misshandlung durch einen Wachmann gekommen. Als die Gefangene sich daraufhin beschwerte, habe sie zur Strafe eine Dusche schrubben müssen.

Laut Maxwells Anwälten „verkümmere“ ihre Mandantin im Gefängnis, auch wegen der lückenlosen Überwachung angesichts von Suizid-Gefahr. Maxwell verliere Gewicht, habe Haarausfall, ihre Konzentrationsfähigkeit leide. Dies wirke sich auch auf die Vorbereitung ihrer Verteidigung aus. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft lehnte eine Stellungnahme ab.

Die 59-jährige Maxwell wartet auf einen Prozess im Juli, in dem sie beschuldigt wird, mehrere Teenager-Mädchen für Epstein rekrutiert zu haben. Sie hat sich nicht schuldig bekannt. Erst im Dezember hatte ein New Yorker Gericht entschieden, dass Maxwell wegen Fluchtgefahr bis zu ihrem Prozess weiter im Gefängnis bleiben muss. Die Geschäftsfrau wurde Anfang Juli 2020 in einem abgelegenen Waldstück im US-Bundesstaat New Hampshire festgenommen. Ihr werden unter anderem Verführung Minderjähriger zu illegalen Sexhandlungen und Meineid vorgeworfen. Darauf stehen jeweils Höchststrafen von fünf bis zehn Jahren Gefängnis. 

Epstein soll Dutzende Minderjährige missbraucht haben

Maxwells Ex-Partner Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. 2008 entging er in dieser Sache einem Bundesverfahren, weil er eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft einging. Epstein bekannte sich damals teilweise schuldig und bekam eine milde Haftstrafe. 2019 wurde er in New York erneut angeklagt und nahm sich kurz danach offiziellen Angaben zufolge in einer Gefängniszelle das Leben.

Der Fall Epstein reicht bis ins britische Königshaus. Prinz Andrew, dem zweitältesten Sohn der Queen, wird eine Verwicklung in den Missbrauchsskandal vorgeworfen. Ghislaine Maxwell gilt nicht nur als eine der engsten Verbündeten Epsteins, sondern auch als gute Freundin von Andrew. Eines der Missbrauchsopfer, die Amerikanerin Virginia Giuffre, behauptet, als Minderjährige vor etwa 20 Jahren mehrmals zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden zu sein. Andrew bestreitet das vehement, legte aber im Zuge des Skandals alle öffentlichen Aufgaben für die Royals nieder. Mit den US-Ermittlern liegt der 60-Jährige im Streit. Sie möchten ihn vernehmen – als Zeugen, nicht als Angeklagten. Angeblich ist er aber nicht zur Zusammenarbeit bereit. (mit dpa)