Berlin - Es gab einige Tagespunkte, die beim Impfgipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten verhandelt worden waren – beispielsweise, dass der digitale Impfpass bis Ende Juni kommen soll, aber auch der oft stockende Nachschub der Impfseren. Am wichtigsten aber war die Frage der Corona-Schutzimpfungen für Kinder. Denn während fast zwei Drittel der Erwachsenen bereits einen Piks erhalten haben, stehen Kinder und Jugendliche weiter hinten an. Und das bei einer sinkenden bundesweiten Inzidenz – mit immer mehr Lockerungen inklusive. Das Ergebnis des Gipfels: Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren sollen ab dem 7. Juni bundesweit geimpft werden können. 

Damit hält die Bundesregierung an ihrem Fahrplan fest, bis Ende August allen Kindern ein Impfangebot machen zu können – sollte die Europäische Arzneimittelkommission (EMA) Biontech als Impfstoff für 12- bis 15-Jährige freigeben. Der Beschluss der EMA könnte schon am Freitag kommen. Spätestens in der kommenden Woche, hieß es am Donnerstag. 

Kanzlerin Angela Merkel sagte am Donnerstagabend nach dem etwa vierstündigen Impfgipfel: „Kinder und Jugendliche können dann ab dem Ende der Priorisierung sich ebenso um einen Impftermin bemühen - in einer Arztpraxis oder in einem Impfzentrum.“ Die Priorisierung fällt am 6. Juni.

Merkel geht außerdem davon aus, dass die EMA Biontech für Kinder und Jugendliche zulassen wird. Andere Impfstoffe - wie Moderna - würden folgen. Sie räumte allerdings auch ein, dass man genau abwägen sollte: „Das Impfen von Kindern ist ein sehr sensibler Akt.“ Auch wegen möglicher Risiken. Damit ging sie auf Bedenken der Ständigen Impfkommission (Stiko) ein, Kinder und Jugendliche nicht generell impfen zu lassen, da wenig über mögliche Nebenwirkungen bekannt sei. Die Stiko wird nächste Woche ihre Entscheidung bekannt geben, ob sie eine generelle Impfung von Kinder und Jugendlichen befürwortet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte im Vorfeld bereits gesagt, die Stiko gebe lediglich eine Empfehlung. Alles andere sei eine individuelle Entscheidung. 

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller, Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz, sprach nach dem Gipfel davon, dass man nun Klarheit gewonnen habe, wie der Fahrplan aussehen soll.  Es sei ein wichtiges Ergebnis, Familien nun ein Impfstoffangebot machen zu können. Er betonte, dass die Öffnung der Schulen nach den Sommerferien unabhängig davon sei, ob die Kinder und Jugendlichen geimpft seien oder nicht. Man könne auch ungeimpft urlauben. 

Eins stellte Müller aber auch klar: Es gebe keinen zusätzlichen Impfstoff für Kinder und Jugendliche. CSU-Chef Markus Söder pflichtete bei: „Es gibt keinen Impfstoff-Überfluss, einige Lieferung sind wackelig und daher müssen wir klug haushalten.“ Man sei nicht über den Impf-Berg. Man wolle lediglich Angebote machen. 

Das Bundesgesundheitsministerium rechnet für die Corona-Impfungen von Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren mit einem Bedarf von knapp 6,4 Millionen Impfdosen des Herstellers Biontech. Das Unternehmen hat in den nächsten zwei Wochen allerdings Lieferschwierigkeiten.

Sollte die Europäische Arzneimittelbehörde EMA am Freitag grünes Licht für Biontech als Impfstoff für Kinder und Jugendliche von 12 bis 16 Jahren geben, können sich Eltern also ab dem 7. Juni um einen Impftermin für ihre Kinder und Jugendlichen bemühen. Sie sollten sich am besten mit den Ärzten absprechen, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn im Vorfeld bereits gesagt. Idealerweise würden zuerst Minderjährige mit Vorerkrankungen geimpft. 

Berlin will Schulen nach den Ferien öffnen – auch ohne Impferfolg

Wie wird sich Berlin verhalten? Die Senatsbildungsverwaltung verknüpft ihr Ziel, mit Regelbetrieb in das neue Schuljahr nach den Sommerferien zu gehen, nicht mit einem Impferfolg der Schülerinnen und Schüler. Vielmehr setzt die Behörde darauf, dass bis dahin ein Großteil der Lehrkräfte durchgeimpft ist. „Daran appellieren wir ausdrücklich“, sagte Sprecher Martin Klesmann am Donnerstag der Berliner Zeitung.

In der Berliner Elternschaft gibt es keine einheitliche Haltung. Norman Heise, Vorsitzender des Berliner Landeselternausschusses, berichtete am Donnerstag im Gespräch mit der Berliner Zeitung von sehr kontroversen Meinungen zu dem Thema. Er persönlich halte es jedoch für „wünschenswert, wenn es für alle ein Impfangebot geben würde“, so Heise. Eine Corona-Impfung dürfe jedoch keine Voraussetzung für den Schulbesuch werden. Diese Befürchtung dürfte erst einmal vom Tisch sein nach dem Impfgipfel.