Berlin - Silvester las ich das Gedicht der Berliner Poetin Mascha Kaleko: „So locker hinterm Auge/sitzen mir die Tränen/wie Regentropfen vor dem Gewitter/es braucht nichts als einen/Kleinen Blitz/Und du weinst.“ Der Abschied von Großbritannien aus der EU, die hohen Todeszahlen, der misslungene Impfstart, alles zum Weinen. Der Optimismus, der in den sozialen Medien und auch in der Neujahrsansprache der Kanzlerin Angela Merkel verbreitet wurde, erscheint mir seltsam. Wird 2021 wirklich besser? Erst mal wird es viel schlechter werden, bevor es besser wird.

Ich habe eine neue Routine, bisher schaute ich morgens zuerst nach den Infektionszahlen beim Robert-Koch-Institut, jetzt schaue ich jeden Morgen nach den Impfzahlen. Ausgerechnet Organisationsweltmeister Deutschland, wo der erste zugelassene Impfstoff erfunden wurde, scheint es nicht eilig zu haben. Laut Stand 31. Dezember waren 131.000 Menschen geimpft. Am schnellsten sind die Israelis, gefolgt von Bahrain und Großbritannien. In Deutschland passiert über die Feiertage wenig, in Berlin wurde erst mal das große Impfzentrum geschlossen. Und während in Großbritannien schon der zweite, billige Impfstoff von Astra Zeneca zugelassen wurde, will sich die europäische Arzneimittelbehörde noch Zeit lassen. Warum hetzen, ist ja nur Pandemie.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.