Berlin - Die ZDF-Reporterin Birte Meier hat einen weiteren Erfolg in der Auseinandersetzung mit ihrem Sender erzielt. Die Journalistin hat das ZDF verklagt, weil sie schlechter bezahlt wird als ihre männlichen Kollegen. Das hatte sie durch private Recherchen ermittelt. Nun ergab die offizielle Auskunft ihres Arbeitgebers, dass die Ungleichbehandlung quasi System hatte.

Im Jahr 2017, für das die ZDF-Journalistin nach dem Inkrafttreten des Entgelttransparenzgesetzes Auskunft eingeklagt hatte, erhielten die Männer, die eine vergleichbare Tätigkeit machten, rund 800 Euro im Monat mehr als sie. Obendrein gab es für die männlichen Kollegen Leistungszulagen – nicht aber für die mehrfach preisgekrönte Redakteurin. Aufgrund ihrer ungleichen Einordnung in das tarifliche Stufensystem steigen die Männer zudem immer vor ihr auf, daher dürften sie im Schnitt 2018 sogar 1200 Euro und 2019 über 1500 Euro pro Monat mehr als sie verdient haben.

„Die Auskunft erhärtet nicht nur den Diskriminierungsverdacht, sondern zeigt auch, dass der Klägerin jährlich bis zu 18.000 Euro entgehen – das sind ganz erhebliche Summen“, sagte Professorin Nora Markard von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), die das Verfahren seit 2017 begleitet. „Das erklärt, warum der Sender sich bisher mit Händen und Füßen gegen die Auskunftspflicht gewehrt hat.“

Birte Meier, die als sogenannte feste Freie beim ZDF beschäftigt ist, musste die offizielle Auskunft vom ZDF erst mühsam vor Gericht erstreiten. Im vergangenen Jahr entschied das Bundesarbeitsgericht in der letzten Instanz schließlich, dass auch arbeitnehmerähnlich beschäftigte Personen einen Auskunftsanspruch nach dem Entgeltgleichheitsgesetz haben. Diese Gesetz gilt seit 2017 und soll Frauen die Möglichkeit geben, herauszufinden, ob sie weniger verdienen als Männer, die eine vergleichbare Tätigkeit machen. Allerdings gilt es nur in Betrieben mit mehr als 200 Angestellten. Überdies werden keine konkreten Gehälter männlicher Kollegen übermittelt, sondern lediglich ein Durchschnitt (Median) aus mindestens sechs Gehältern gebildet.

Viel mehr als die Genugtuung recht gehabt zu haben, bringt die Auskunft der ZDF-Reporterin allerdings nicht ein. Ihre Klage auf faire Bezahlung ist von den Vorinstanzen abgewiesen worden. Meier hat deshalb eine Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Ob das Gericht in der Sache entscheidet, ist allerdings noch unklar. Ein gutes Zeichen ist, dass das Gericht die Verfassungsbeschwerde Ende März 2021 an das ZDF, das Bundesarbeitsministerium und das Bundesarbeitsgericht zugestellt hat.

Die ZDF-Reporterin selbst wurde von ihrem Sender bereits in der mündlichen Verhandlung der ersten Instanz massiv unter Druck gesetzt, ihren Job aufzugeben. Mittlerweile wurde die Investigativ-Journalistin von Berlin nach Mainz versetzt. Statt für „Frontal 21“ arbeitet sie jetzt für den Spartenkanal ZDFinfo.