Kamala Harris.
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Washington (dpa) - Es ist nicht allzu lange her, da waren Joe Biden und Kamala Harris noch Konkurrenten. Jetzt wollen sie gemeinsam gegen den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump in die Wahl am 3. November ziehen.

Im Rennen um die Kandidatur der Demokraten waren die Senatorin aus Kalifornien und der Ex-Vizepräsident noch aneinandergerasselt. Es war ein Satz von Harris, der hängen blieb: «Das kleine Mädchen war ich.» Harris hatte Biden dafür kritisiert, dass er in den 1970er Jahren dagegen gewesen sei, dass Kinder mit Bussen zu Schulen in anderen Bezirken gefahren wurden, um die Trennung von Schwarzen und Weißen aufzuheben. Harris verknüpfte dies mit ihrer eigenen Biografie: Sie selbst habe in einem solchen Bus gesessen.

Ein Wahlsieg mit Biden wäre historisch - noch nie war eine Frau Vizepräsidentin. Es ist das erste Mal, dass eine Schwarze für eine der beiden großen Parteien als Vize-Kandidatin ins Rennen zieht.

Harris wurde am 20. Oktober 1964 in Oakland, Kalifornien, geboren. Sie hat jamaikanisch-indische Wurzeln. Sie studierte in der Hauptstadt Washington Politikwissenschaft und Wirtschaft, in Kalifornien Rechtswissenschaft.

2003 wurde sie zur Bezirksstaatsanwältin von San Francisco gewählt. Dort traf sie umstrittene Entscheidungen: Im Wahlkampf versprach sie, als Staatsanwältin niemals die Todesstrafe anzustreben. Sie hielt sich daran, zog nach der Tötung eines Polizisten aber Protest auf sich.

Als sie sich als Attorney General - was in den USA die Positionen der Justizministerin und der Generalstaatsanwältin verbindet - bewarb, versprach sie, trotz ihrer persönlichen Opposition die Todesstrafe im neuen Amt vollstrecken zu lassen - und wieder hielt sie sich daran.

Als zweite Afroamerikanerin wurde sie 2016 in den US-Senat gewählt. Ihr Auftrag sei wie früher: für die Rechte aller Menschen in Kalifornien zu kämpfen. Anfang 2019 gab sie bekannt, dass sie sich für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten bewerbe. Zu Beginn galt sie als aussichtsreiche Bewerberin.

Ihre Gegner versuchten, die Law-and-Order-Vergangenheit gegen sie zu verwenden. Einige ihrer Entscheidungen wurden von Kritikern nicht im Einklang mit ihrem Versprechen nach Reformen eines «kaputten» Strafjustizsystems gesehen. Sie musste aufgeben.

Nun wird Harris zugetraut, besonders gut afroamerikanische Wähler mobilisieren zu können. Sie ist moderat, gesetzt, ihre Auftritte durchchoreographiert. Im Senat hat sie bewiesen, hartnäckig Fragen stellen zu können und eine Problemlöserin zu sein. Kritisiert wird häufiger, dass sie sich ideologisch nicht verorten lässt.

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