Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj soll Warnungen vor einem großflächigen russischen Einmarsch kurz vor Kriegsbeginn ignoriert haben. Das jedenfalls sagte US-Präsident Joe Biden auf einer Veranstaltung in Los Angeles.

Es habe „keinen Zweifel“ daran gegeben, dass Russland „über die Grenze gehen“ würde, sagte Biden am Freitag. „Selenskyj wollte das nicht hören, und viele andere auch nicht.“

Die USA hatten lange vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar vor einem entsprechenden Schritt gewarnt. Bei einigen europäischen Staaten stießen die Äußerungen damals auf Unglauben und sogar Kritik. Einige Länder warfen Washington Alarmismus vor.„Ich weiß, dass viele Leute dachten, ich würde übertreiben“, sagte er mit Blick auf US-Warnungen vor einem möglichen russischen Angriff. Die US-Regierung habe jedoch Daten gehabt, die ihre Einschätzung stützten.

Aus Sorge um Wirtschaft spielte Selenskyj die Gefahr herunter

So hatte die US-Regierung vor dem großflächigen Angriff immer wieder Geheimdienstinformationen veröffentlicht. Joe Biden warnte in mehrere Reden und Fernsehansprachen vor der Gefahr eines großflächigen Krieges. In den Tagen vor dem Einmarsch der russischen Streitkräfte hatten die USA und weitere Staaten bereits ihr Botschaftspersonal evakuiert.

Auch in der Ukraine gab es nach dem 24. Februar Kritik an den Entscheidungen Selenskyjs. Der ukrainische Präsident hatte die Invasionsbefürchtungen vor allem aus Sorge um die Auswirkungen der Drohungen auf die ukrainische Wirtschaft als unbegründet abgetan. Dabei hatten die US-Berichte starke Truppenkonzentrationen gezeigt. Auch war zuvor beispielsweise berichtet worden, dass das russische Armee große Feldlazarette aufgebaut hätte und diese mit Blutkonserven bestückt hätte. Militärexperten deuteten dies als wichtigen Indikator, da ein solcher Schritt bei großflächigen Übungen, wie Russland sie angekündigt hatte, nicht nötig gewesen wären.