Michelle Obama, frühere First Lady.
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WashingtonMichelle Obama bräuchte nur „Ja” sagen. Dann könnte das gerade erst geformte Komitee, das den designierten Präsidentschaftskandidaten der Demokraten bei der Auswahl seines Vizepräsidentschaftskandidaten berät, seine Arbeit gleich wieder einstellen. „Ich würde sie sofort nehmen”, verriet Joe Biden seine Gefühle für die frühere First Lady Anfang der Woche in einem Interview mit einem Lokalsender in Pittsburgh.

Das Problem ist nur, dass die „am meisten bewunderte Frau der Welt” wiederholt abgewunken hat. „Ich habe nicht die Absicht, für ein Amt anzutreten”, steht es schwarz auf weiß in Michelle Obamas 2018 erschienen Bestseller „Becoming”. In der US-Politik haben das schon viele behauptet bevor sie später das genaue Gegenteil davon taten. Wohl auch deshalb signalisierte der 77-jährige Biden bereits drei Mal, dass er Obama fragen würde, „wenn ich nur eine Chance hätte.”

Die ehemalige rechte Hand Barack Obamas im Weißen Haus und enge Familienfreundin Valerie Jarrett sagt, Michelles Aversion gegen die Politik sei echt. Es gebe genügend andere potenzielle Kandidatinnen für das Amt, „die ihre eigene Star-Power mitbringen”.

Immer wieder genannt und in Umfragen bei den Demokraten ganz vorn steht Elizabeth Warren, die Biden nach ihrem Ausscheiden als Präsidentschaftskandidatin Mitte April unterstützte. Das Beraterteam Bidens zeigte sich nicht nur von der Fähigkeit Warrens beeindruckt, das linke Lager für den Kandidaten zu mobilisieren, sondern auch von ihrer entschlossenen Verteidigung des Kandidaten gegen die wenig glaubhaften Belästigungsvorwürfe einer ehemaligen Mitarbeiterin von vor fast drei Jahrzehnten.

Ein handfester Nachteil ist, dass Warren nicht auf Rückendeckung des engen Biden-Freundes James Clyburn zählen kann, der die Auferstehung des abgeschlagenen Kandidaten erst in South Carolina und dann am Super-Dienstag möglich gemacht hatte. „Es wäre prima, wenn er eine schwarze Frau auswählen würde”, legte sich der ranghöchste afroamerikanische Kongressabgeordnete in einem Interview fest.

Niemand brachte sich als potentielle Kandidatin aggressiver ins Spiel als Stacey Abrams, die 2018 knapp das Rennen um das Gouverneursamt von Georgia verlor. Auf NBC verteidigte sie ihr offenes Werben mit ihrer Herkunft. „Als junges schwarzes Mädchen, das in Mississippi aufwuchs, habe ich gelernt, mich für mich selber stark zu machen, weil es sonst niemand tat.”

Ihre afroamerikanischen Mitbewerberinnen schicken Dritte vor oder drücken ihr Interesse durch die Blume aus. Wie zum Beispiel die Senatorin aus Kalifornien Kamala Harris, die ehemalige Nationale Sicherheitsberaterin Susan Rice oder die Hausmanagerin im Impeachment-Prozess Val Demigns.

„Ja-sagen" zu einem Angebot für den Vizepräsidentenposten würden auch zwei prominente Politikerinnen aus dem Mittleren Westen. Die Senatorin aus Minnesota Amy Klobuchar könnte dem Kandidaten bei moderaten Wählern helfen. Diesen Vorzug hätte auch die Gouverneurin von Michigan, Gretchen Whitmer, die in der Corona-Krise zur Lieblingsfeindin Trumps avancierte.

Cedric Richmond, der Bidens Auswahlkomitee angehört, betont, vor dem Sommer werde Biden keine Entscheidung treffen. Neben persönlichen Begegnungen gehört zu dem Verfahren auch das Schaulaufen bei gemeinsamen Auftritten mit potenziellen Vizepräsidentschaftskandidaten.

All das könnte sich Kandidat sparen, wenn das Wunder passierte, für das der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton nach eigenem Eingeständnis jeden Tag betet. „Gott, lass Michelle Obama bitte Joe Bidens Running Mate sein.”