John Hume (1937–2020).
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Das Lebensmotto des nordirischen Politikers John Hume war „Politik ist die Alternative zum Krieg“. 1998 hatte Hume den Friedensnobelpreis erhalten – zusammen mit David Trimble von der Ulster Unionist Party, für das Karfreitagsabkommen, das Frieden stiftete in Nordirland. Die treibende Kraft aber, der Mann, dem in immer neuen aussichtslosen Lagen, die ja bis 1994 stets begleitet waren von Bomben und Militäreinsätzen, war John Hume, geboren 1937 in Derry oder Londonderry, wie die Protestanten es seit dem 17. Jahrhundert nannten.

Der junge John Hume  hatte eine Weile mit dem Gedanken gespielt, Priester zu werden. Dann wurde er Lehrer und eine bekannte Größe im Kampf gegen die seit 1921 in Nordirland regierenden Protestanten der Ulster Unionist Party. 1970 war Hume bei der Gründung der irischen Social Democratic and Labour Party (SDLP) dabei. Von 1979 bis 2001 war er deren Vorsitzender. Von 1979 an arbeitete er 25 Jahre lang als Abgeordneter im Europaparlament.

Wir haben uns an Frieden in Nordirland gewöhnt. Er ist, wie so vieles, das wir für selbstverständlich halten, hart erkämpft worden. Hume war, so heißt es jetzt in einem Nachruf auf ihn, „das Gehirn“ des Friedensprozesses. Hume verfügte wohl über jene seltene Gabe der Verbindung von Sturheit und Flexibilität, die nötig war, um nach Jahrzehnten des Bürgerkrieges nicht aufzugeben. Es gab eine Zeit, da nur Verrückte noch auf einen Frieden zu hoffen wagten. Einer von ihnen war John Hume. Er hielt in immer neuen Auseinandersetzungen mit Freund und Feind, durch zig Kompromisse und noch mehr Konfrontationen hindurch fest an der einfachen Idee, dass Frieden doch für alle das Beste sei. Das Selbstverständliche ist oft das, was am schwierigsten zu erreichen ist. Der Friede musste erkämpft werden. Aber gewaltlos. Das war für Hume möglicherweise zunächst „nur“ eine moralische Überzeugung. Oder er konnte einfach nicht anders. Irgendwann aber verstand er, dass es einfach die klügere Taktik war, die erfolgversprechendere Option. Vorausgesetzt, man wollte Frieden und nicht den Sieg.

Wir denken an John Hume natürlich auch in der Hoffnung, dass irgendwo in Europa ein junger Mann, eine junge Frau lebt, dem oder der es gelingt, den Europäern klarzumachen, dass sie den europäischen Frieden nicht wegwerfen sollen um gefährlicher, ja mörderischer nationaler Alleingänge willen. Im Augenblick scheint niemand da zu sein, der den Trend zur Abschaffung Europas aufhalten kann. Aber Hume hat uns beigebracht, dass der Schein trügen kann. John Hume hat außer dem Friedensnobelpreis auch den Gandhi-Friedenspreis und den Martin-Luther-King-Preis bekommen. Dieses Triple hat nur er geschafft.

Das „Gehirn“ des Friedensprozesses starb als Parkinson-Patient in einem Pflegeheim in Derry.