Washington - In der Öffentlichkeit zeigt er sich selten. Nicht einmal sein Geburtsdatum ist bekannt. Sein Titel klingt bürokratisch. Doch tatsächlich trägt John Hyten als Chef des Strategischen Kommandos der US-Streitkräfte (USStratCom) eine riesige Verantwortung: Der Vier-Sterne-General beaufsichtigt das amerikanische Atomwaffenarsenal. Vor dem Einsatz einer Nuklearrakete müsste der US-Präsident den 58-Jährigen konsultieren. Und dabei könnte Donald Trump auf unerwarteten Widerspruch stoßen.

„Ich glaube, einige Leute halten uns für blöd“, sagte Hyten jetzt bei einem Sicherheitsforum in Kanada. Tatsächlich mache er sich viele Gedanken, wie er sich bei einem atomaren Einsatzbefehl verhalten würde. Grundsätzlich berate er den Präsidenten, „und er wird mir sagen, was zu tun ist“. Was aber wäre bei einem gesetzeswidrigen Befehl? „Ich würde sagen: Herr Präsident, das ist illegal!“, erklärte der General. Dann werde man gemeinsam nach einer legalen Lösung suchen.

Eine Äußerung, die von beachtlicher Courage des verheirateten Vaters zweier Kinder zeugt. Die Verfassung und das Gesetz hat Hyten schon immer hochgehalten. Seine Laufbahn bei der Luftwaffe begann mit einer vierjährigen Stationierung in Alabama. Er habe schnell bemerkt, dass es „dort beim Militär viel unverhohlenen Rassismus gab“, berichtete der General einmal  rückblickend: „Ich schwor mir: Unter meiner Führung wird das nicht geduldet.“

Von Alabama führte seine Karriere über unzählige Posten und die Zuständigkeit für die Weltraum-Aktivitäten der Air Force bis zum Atom-Kommando. Im September 2016 wurde er vom damaligen Präsidenten Barack Obama berufen.  Wenige Tage vor der Trump-Wahl im November trat er den Job an.

Unüberhörbarer Unterton

Vom neuen Präsidenten will sich Hyten offenbar nicht einschüchtern lassen. Indirekt kündigte er sogar an, er werde illegale Befehle verweigern. „Wenn ich eine gesetzeswidrige Anweisung ausführen würde, könnte ich für den Rest meines Lebens ins Gefängnis wandern“, sagte er.

Eine Anhörung des Senats in der vorigen Woche hatte gezeigt, dass der mögliche Abschuss einer Atomrakete gegen Nordkorea rechtlich extrem heikel wäre: Zwar kann der US-Präsident im Verteidigungsfall alleine einen nuklearen Einsatz anordnen, für einen Erstschlag ist aber die Zustimmung des Kongresses erforderlich.

Trump-Anhänger in Rage

Formal hat Hyten also nur die Verfassungslage geschildert. Doch der politische Unterton ist unüberhörbar – und bringt die Trump-Anhänger in Rage. Schon fordern rechte Propagandaseiten wie der Columbia Bugle, der General solle sofort gefeuert werden.