John Kerry in Berlin: Kerry spricht mit der Jugend

Fette Reggae-Beats von Bob Marley dröhnen durch die Boxen, als der neue US-Außenminister John Kerry das Basecamp unweit des Bahnhofes Friedrichstraße betritt. Der weißhaarige Kerry mag angeblich Reggae. „Es ist wunderbar, wieder in Berlin zu sein“, sagt Kerry zur Begrüßung auf Deutsch. Als Sohn eines US-Diplomaten hatte er Mitte der 1950er-Jahre fast zwei Jahre in Berlin verbracht. Dann flachst er in amerikanisch-lässiger Manier den Moderator Cherno Jobatey an. „Deine Schuhe sind fantastisch“, sagt der 69-jährige Außenminister beim Blick auf dessen Turnschuhe. Erst dann wechselt er ins Englische.

Vor Kerry sitzen im Veranstaltungsraum des deutschen Mobilfunkanbieters gut 30 deutsche Schüler und Studenten, fast alle waren im Rahmen von Austauschprogrammen in den USA. Es ist die Premiere der Veranstaltungsreihe „Youth connect“, mit der Kerry weltweit mit „der nächsten Generation von Führungskräften“ ins Gespräch kommen will, so die Ankündigung. Ein Mitschnitt wird später auf Facebook zu sehen sein.

„Dschihadisten sind keine Muslime“

Louise, eine Gymnasiastin aus Prenzlauer Berg, erzählt von ihrem US-Aufenthalt. Ein Freund von ihr sei dort am Virginia Military Institute und soll nun im umkämpften Mali eingesetzt werden. Was Kerry denn davon halte? Der US-Außenminister bewegt sich stehend hin und her. Als Vietnamkriegs-Veteran sei er der Meinung, dass jeder, der mal im Krieg war, den Krieg hassen sollte. Aber in Mali gehe es darum, die Ausbreitung von Terrorismus zu verhindern. Das sei wichtig.

Danach ist Wafa Abuhashem vom Berliner Bündnis „Jung – muslimisch – aktiv“ an der Reihe. Die Gymnasiastin aus Reinickendorf trägt ein grellgrünes Kopftuch. „Was denken Sie, wenn Sie jemanden wie mich sehen?“, fragt sie Kerry. Er wisse nicht genug über junge Muslime in Deutschland, entgegnet der Außenminister. Den Islam habe er zuletzt intensiver studiert und schätzen gelernt. „Dschihadisten sind keine Muslime.“

Dann spricht Kerry lieber über die Religions- und Meinungsfreiheit in den USA. Da dürfe jeder eine Demonstration machen und selbst andere Bevölkerungsgruppen beschimpfen. „Es gibt bei uns das Recht aufs Dummsein!“ Kelly beschwört schließlich die Chancen eines Freihandelsabkommens zwischen EU und USA. „Wir hätten auf wirtschaftlichem Gebiet riesige Möglichkeiten.“

Zum Abschluss möchte er wissen, was die jungen Deutschen von ihrem Land halten. Die Halbrussin Sandra von der katholischen Theresienschule berichtet, dass die Deutschen sich wegen ihrer Vergangenheit mit Nationalstolz zurückhielten. Aber seit der Fußball-WM 2006 sei das unverkrampfter. Zum Abschied posiert der smarte Kerry noch vor den Handy-Kameras der Führungskräfte von morgen.