Alle Kameras sind auf sie gerichtet: Rania 2019 im italienischen Assisi.
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AmmanKönigin Rania von Jordanien gilt als schön, klug und engagiert. Sie ist mehr als das modische Accessoire ihres Mannes, vertritt eigene Standpunkte – und weiß sich auch zu wehren. Als sie im vergangenen Jahr in den sozialen Netzwerken für ihre Arbeit im Bildungswesen kritisiert wurde, machte die Monarchin ihre Enttäuschung bei Facebook öffentlich und beschwerte sich über die „Verleumdungen“, die ihr entgegengeschlagen seien: „Ohne einen einzigen Beweis haben mich einige als mächtige Geschäftsfrau dargestellt, die im Besitz von Hunderten Millionen ist, oder als eine Person mit beträchtlicher politischer Einflussnahme auf die Angelegenheiten des Staates.“ Sie erlebe eine doppelte Realität: „In der virtuellen Welt, in der ich Zynismus und Härte lese, und in der realen Welt, in der ich in jeder Stadt, jedem Dorf und jedem Haus, das ich besuche, nur Zuneigung und Aufrichtigkeit finde.“

Nun ist Rania von Jordanien ein Medienprofi, und wenn es ihr tatsächlich nur um Zuneigung beim eigenen Volk ginge, könnte sie auch ein anderes, stilleres Leben führen. Doch Rania, die am Montag (31. August) 50 Jahre alt wird, will sich einmischen, ihren Status als modernes Gesicht der arabischen Welt aufrechterhalten. Ein Balanceakt, denn sie darf auch die konservativen Kräfte im Land nicht zu sehr verschrecken. Oft wird ihr aus dieser Ecke vorgeworfen, sie gehe zu offensiv mit der eigenen politischen Meinung um – und kleide sich zu westlich. Gleichzeitig weiß sie, dass ihr Mann König Abdullah II. dem Westen gegenüber sehr aufgeschlossen ist. Er dürfte kaum etwas dagegen haben, dass seine Frau in den sozialen Medien längst zum Star avanciert ist, mit 6,1 Millionen Abonnenten auf Instagram und 10,4 Millionen Followern auf Twitter. Als „Mutter und Ehefrau mit einem wirklich coolen Tagesjob“ beschreibt sich Rania dort.

Königin Rania und First Lady Melania Trump 2018 im Weißen Haus. 
Foto: Imago Images/Olivier Douliery

Im westlichen Ausland verehrt man die bekannteste Würdenträgerin der arabischen Welt. Rania wird immer wieder mit prominenten, mächtigen Frauen abgelichtet: Angela Merkel, Michelle Obama, Melania Trump. Rania hat Einfluss und nutzt ihre Reichweite auch, um Vorurteile gegen arabische und muslimische Gemeinschaften abzubauen. Das passt zur Agenda ihres Mannes Abdullah, der für sich in Anspruch nimmt, direkt vom Propheten Mohammed abzustammen. Der König genießt in der islamischen Welt hohes Ansehen als Vermittler bei verschiedenen Konflikten.

Das heißt aber noch lange nicht, dass man dieses Recht auch seiner Frau zugesteht. Als Rania 2014 bei einer Medienkonferenz in Abu Dhabi eine fulminante Rede hielt und darin wortgewaltig die Terrormiliz Islamischer Staat angriff, gab sie moderaten Arabern eine Mitschuld an dem Erfolg der Dschihadisten. Durch ihr Schweigen machten sie sich zu „Komplizen des IS-Erfolgs“, befand Rania und schlussfolgerte, dass die arabische Welt sich wehren müsse – Jordanien gehörte zu den Staaten, die sich an Luftangriffen gegen den IS beteiligten. Der Applaus für die Rede der Königin kam damals vor allem aus dem Ausland. In der patriarchalisch strukturierten arabischen Welt, in der das Wort einer Frau kaum etwas gilt, war die Resonanz überwiegend verhalten bis niederschmetternd.

Die aparte Königin mit dem beeindruckenden Gespür für Mode mag in US-Talkshows und auf roten Teppichen ein gern gesehener Gast sein. Zu Hause schlägt ihr oft ein anderer Wind entgegen. Ihre Kritiker werfen ihr Frivolität vor, und es kommt durchaus vor, dass die Clanchefs der großen Beduinenstämme Prunksucht, Vetternwirtschaft und die Einmischung der Königin in die Politik anprangern.

Als Rania und Abdullah sich im Jahr 1992 bei einem Bankett kennenlernten, war der älteste Sohn des jordanischen Königs Hussein noch ein Prinz. Im Jahr darauf heirateten die beiden, im Januar 1999 wurde Ranias heute 58 Jahre alter Ehemann zum Thronfolger ernannt. Kurz darauf starb sein Vater, seither ist Abdullah II. bin al-Hussein König – und Rania an seiner Seite die Königin. Vier Kinder haben die beiden und präsentieren sich auch öffentlich als glückliches Paar: Sie sei „glücklich und dankbar“, ihn an ihrer Seite zu haben, schrieb Rania im Juni auf Instagram.

Private Bilder und Äußerungen dieser Art sind keine Seltenheit. Die Seiten der Königin sind voll mit Liebesbekundungen – an ihren Mann, den sie gern „Ihre Majestät“ oder „meinen König“ nennt, an ihre Kinder Kronprinz Hussein, Prinzessin Iman, Prinzessin Salma und Prinz Haschim. Rania kommt aus einer gut situierten Arztfamilie. Die Tochter eines Palästinensers wuchs in Kuwait auf, bis die Familie im Verlauf des zweiten Golfkriegs nach Jordanien floh. In dem Haschemitischen Königreich, wo es eingewanderte Palästinenser mit den Jordaniern zu vereinen gilt, schien die Ehe zwischen dem damaligen Prinzen und der studierten Betriebswirtschaftlerin mit einer solchen Migrationsgeschichte zunächst wie ein strategischer Zug. Doch teilweise ist die Kritik an Rania auch gerade auf ihre palästinensische Abstammung und ihre Position in Flüchtlingsfragen zurückzuführen. Die Königin, einst selbst Geflüchtete, hatte sich in mehreren Interviews immer wieder dafür ausgesprochen, Flüchtlinge aufzunehmen.

In Illustrierten wird die Monarchin gern als „Lady Di des Nahen Ostens“ bezeichnet, „mit dem Gesicht einer orientalischen Disney-Prinzessin“. Rania ist für ihr karitatives Engagement bekannt. Auf Bildern sieht man sie oft von jungen Mädchen und Frauen umgeben, setzt sie sich doch speziell für deren Belange ein, engagiert sich für Bildung in jungen Jahren und unterstützt Frauen bei der Existenzgründung.

Königin Rania bei einem Bankett für Frauen, die sich im Bildungswesen und in der Freiwilligenarbeit engagieren. 
Foto: Imago Images

Gleichzeitig muss Rania bei jedem ihrer politischen Auftritte damit rechnen, auf die Situation im eigenen Land hingewiesen zu werden. Nach ihrer mutigen Rede von 2014 merkten Menschenrechtler an, dass auch Jordanien religiöse Intoleranz schüre und Meinungs- und Glaubensfreiheit einschränke. Das Land belegt auf der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit den 128. von 180 Plätzen.

Doch in der muslimischen Welt steht Rania eben auch für Emanzipation und Gleichberechtigung. Nur selten sieht man die Königin mit Kopftuch. Dass sie dafür nicht nur bewundert, sondern genauso oft angefeindet wird, liegt auf der Hand. Im eigenen Land wird sie weiterhin um Anerkennung kämpfen und mit Kritik leben müssen. Hartnäckig hält sich im wirtschaftlich angeschlagenen Jordanien der Vorwurf, sie fröne in ihren Designerkostümen der „Verschwendungssucht auf Staatskosten“. Eine Frau, die das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ einmal als eine der einflussreichsten der Welt listete, hat eben nicht nur Fürsprecher. (mit dpa)