Spaniens Ex-König Juan Carlos.
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MadridAls die Spanier erstmals von der Existenz einer „innigen Freundin“ ihres damaligen Königs Juan Carlos erfuhren, wagte José Bono, ein einflussreicher Ex-Politiker, zu sagen: „Diese Dame ist Stroh“, sie sei „eine Bedeutungslosigkeit für den Staat.“

So dachten viele Anfang 2013 über Corinna zu Sayn-Wittgenstein, eine deutsche Geschäftsfrau, die mit Juan Carlos ein Jahr zuvor in Botsuana auf Elefantenjagd gegangen war und deren Name nun immer häufiger in der Regenbogenpresse auftauchte. Seitdem hat sich viel getan: Juan Carlos dankte 2014 ab (unter anderem wegen der Elefantenjagd und wegen Corinna zu Sayn-Wittgenstein), und die Liebschaft ist offiziell beendet.

Vor allem aber würde niemand mehr behaupten, dass „diese Dame“ Stroh, geschweige denn bedeutungslos für den spanischen Staat sei. Manche glauben sogar, dass sie unfreiwillig dazu beigetragen haben könnte, „den Kurs der spanischen Geschichte“ zu ändern. So schrieb es kürzlich jedenfalls eine respektable Netzzeitung.

Gespräche mitgeschnitten

Über die Schweizer Tageszeitung Tribune de Genève haben die Spanier in dieser Woche erfahren, dass Juan Carlos einst – 2007 oder 2008 – vom mittlerweile verstorbenen König Abdullah von Saudi-Arabien 100 Millionen Dollar geschenkt bekommen haben soll, von denen er 2012 rund 65 Millionen Euro an zu Sayn-Wittgenstein überwies. Mindestens am zweiten Teil der Geschichte scheint etwas dran zu sein.

Ein Anwalt der Deutschen erklärte der spanischen Zeitung El País dieser Tage, bei den 65 Millionen Euro handele es sich um „ein nicht erbetenes Geschenk“. Juan Carlos habe „einige Jahre schlechter Gesundheit“ hinter sich gehabt, während derer „unsere Klientin ihn pflegte“. Das war wohl ein Dankeschön wert.

Dass solche Dinge ans Licht kommen, obwohl sie wahrscheinlich nie ans Licht kommen sollten, liegt an einem mutmaßlich korrupten Polizeikommissar namens José Manuel Villarejo, der seit einiger Zeit wegen krummer Geschäfte in Untersuchungshaft sitzt. Er hatte offenbar selbst damit gerechnet, eines Tages in den Fokus der Justiz zu geraten, und sich im Laufe der Jahre für alle Fälle ein Audioarchiv mit den Mitschnitten interessanter Gespräche aufgebaut.

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Juan Carlos und Corinna zu Sayn-Wittgenstein

Juan Carlos I. war von 1975 bis 2014 König von Spanien. Nach seiner Abdankung trat sein Sohn Felipe die Nachfolge an. Zu Beginn seiner Regentschaft war Juan Carlos sehr beliebt – vor allem wegen seiner Rolle beim Übergang Spaniens von der Diktatur zur Demokratie.

Corinna Larsen, die später qua Ehe zu Corinna zu Sayn-Wittgenstein wurde, soll den König 2006 kennengelernt haben. 2012 organisierte sie eine Luxussafari in Botsuana, bei der Juan Carlos einen Elefanten schoss. Das exklusive Vergnügen mitten in der Wirtschaftskrise kostete ihn viele Sympathien.

Diese Mitschnitte hat er nun aus der Untersuchungshaft über eher wenig skrupulöse Medien in Umlauf gebracht. Er dachte wohl, damit der spanischen Justiz einen Schreck einjagen zu können.

Eine der Aufnahmen, die vor gut anderthalb Jahren öffentlich wurde, gab ein Gespräch zwischen dem Kommissar, einem bekannten spanischen Manager und Corinna zu Sayn-Wittgenstein aus dem Jahr 2015 in London wieder. Darin gibt zu Sayn-Wittgenstein zu verstehen, dass Juan Carlos sie als Strohfrau für illegale Geschäfte benutzt habe. „Er tat das nicht, weil er mich besonders liebte, sondern weil ich meinen Wohnsitz in Monaco habe“, erzählte sie. „Eines Morgens stehst du auf und besitzt ein Grundstück in Marrakesch. Und er sagt dir: Gib es mir! Aber wenn ich das tue, ist es Geldwäsche. Es ist ein vergiftetes Geschenk.“

Viel zu ermitteln

Anderthalb Monate ermittelte die spanische Justiz, ob diese Aufzeichnungen Anlass für weitere Nachforschungen hergäben, legte die Angelegenheit dann aber zu den Akten. Auch das Parlamentspräsidium wollte mehrheitlich keinen Untersuchungsausschuss über die königlichen Vermögensverhältnisse ins Leben rufen.

Im fernen Genf aber machte sich ein Staatsanwalt namens Yves Bertossa an die Arbeit. Er fand, es gebe schon ein paar Anhaltspunkte für Korruption und Geldwäsche. Und er war hartnäckig genug, um ein altes Konto des Königs – genauer gesagt: das Konto einer königlichen Stiftung in Panama – ausfindig zu machen und dazu die Überweisung an zu Sayn-Wittgenstein.

Es stellen sich nun einige Fragen. Darf ein saudischer König einem spanischen König 100 Millionen Dollar schenken? Und darf der das Geld großzügig weiterverschenken? Möglicherweise ja.

Nun erhielt aber im Herbst 2009 ein spanisches Konsortium einen Milliardenauftrag für den Bau einer Schnellbahnstrecke von Medina nach Mekka, und wahrscheinlich leistete der Ex-Monarch, der auch nach seiner Abdankung auf Lebenszeit den Ehrentitel König trägt, gute Dienste, um dieses Geschäft zu ermöglichen.

Sollte er dafür Bestechungsgelder angenommen haben, wäre der Zahler üblicherweise das spanische Baukonsortium, nicht das saudische Königshaus. Staatsanwalt Yves Bertossa wird noch viel zu ermitteln haben. Und mittlerweile interessiert sich auch die spanische Justiz wieder für den Fall.