Die Botschafterin der Vereinigten Arabischen Emirate, Hafsa Al Ulama, und Yehuda Teichtal, Gemeinderabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und Vorsitzender des Jüdischen Bildungszentrums Chabad in Berlin, haben sich für den gemeinsamen Kampf von Juden und Muslimen gegen Islamophobie und Antisemitismus ausgesprochen. Anlässlich des ersten Botschaftsbesuchs eines arabischen Landes am Mittwoch in der Berliner Chabad-Gemeinde sagte Teichtal: „Der Kampf gegen Antisemitismus und Islamophobie muss gemeinsam gegen jene geführt werden, die einen Mangel an Verständnis für Werte der Menschlichkeit aufweisen. Dies gilt nicht nur für Deutschland, sondern weltweit.“ Al Ulama sagte, dass die Initiative der Vereinigten Arabischen Emirate zu einem Frieden mit Israel aus der Überzeugung gekommen sei, „dass wir alle Kinder Abrahams sind und dass die vielen Jahre der Feindseligkeit und des Krieges keine Lösung für die Menschen unserer Länder gebracht haben“.

Bei dem historischen Treffen schlug Teichtal den Vereinigten Arabischen Emiraten eine neue Initiative vor: Sowohl in Abu Dhabi oder Dubai als auch in Berlin könne eine Konferenz der erst vor kurzem gegründeten Vereinigung der Rabbiner in islamischen Staaten (ARIS) gemeinsam über Wege des friedlichen Zusammenlebens beraten. Die Rabbiner kommen aus Staaten aus der ganzen Welt, von Kasachstan über Nigeria und Marokko bis Usbekistan und der Türkei. Teichtal, der vor einigen Jahren selbst Opfer einer antisemitischen Attacke durch arabische Männer geworden ist, sagte bei dem Treffen: „Wir Juden wissen, dass es einen neuen Antisemitismus in Teilen der muslimischen Welt gibt. Viele jüdische Mitbürger leben mit der Angst vor antisemitischen Angriffen. Deshalb ist es uns so wichtig, dass mit der Friedensinitiative zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie in der Folge mit Bahrain und dem Sudan ein neuer Weg beschritten wird – einer des gegenseitigen Respekts und der Wertschätzung.“

Al Ulama sagte: „Der Koran kennt keinen Antisemitismus. Der Islam ist eine Religion des Friedens – sowie eigentlich alle Weltreligionen. Für die Vereinigten Arabischen Emirate war es immer höchste Priorität, allen Weltreligionen mit Offenheit, Respekt und Toleranz zu begegnen. Deswegen steht in unserem Land der größte Hindu-Tempel der Welt. Und deshalb war es für Scheich Zayed so wichtig, bei seinem Berlin-Besuch vor allen offiziellen Ereignissen das Holocaust-Mahnmal zu besuchen.“ Ihr Land wolle mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass „alle Menschen in der Region von Stabilität profitieren werden und nicht vom Krieg“. 60 Prozent der muslimischen Bevölkerung auf der Welt seien unter 30 Jahre alt. Es sei daher notwendig, „das Narrativ zu ändern“: „Wir können diesen jungen Leuten nicht sagen, dass ihr Leben in einem islamistischen Kampf bestehen kann. Sie brauchen eine wirtschaftliche und soziale Perspektive. Wir wissen, dass es in unseren Ländern eine große Sehnsucht nach Frieden gibt.“ Sie betonte, dass es viele Gemeinsamkeiten in der jüdischen und arabischen Kultur gebe, auf denen beide Seiten aufbauen könnten.

Teichtal sagte, die neue Partnerschaft zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten sei nicht nur eine Angelegenheit zwischen zwei Staaten, sondern hätte Bedeutung für die jüdischen Gemeinschaften in aller Welt: „Wir wollen in die Zukunft schauen, mit positiver Energie. Wir werden nie vergessen, was in der Vergangenheit war – aber an uns liegt es, eine bessere Zukunft zu gestalten.“

Aus Anlass des Besuchs erläutere Rabbiner Teichtal seinem Gast die Einrichtungen der Chabad-Gemeinde, unter anderem die Synagoge und die Baustelle für den neuen Campus.