Corona: Der Ethikrat vergisst die Kinder – und übt ein bisschen Selbstkritik

Man habe die Nöte der jungen Generation während Corona zu wenig gesehen, so die Vorsitzende Alena Buyx. Die Einsicht kommt reichlich spät.

Vorsitzende Alena Buyx stellt die Ad-hoc-Empfehlung des Deutschen Ethikrates vor. Man wolle auch über sich selbst nachdenken.
Vorsitzende Alena Buyx stellt die Ad-hoc-Empfehlung des Deutschen Ethikrates vor. Man wolle auch über sich selbst nachdenken.dpa/Michael Kappeler

Die Corona-Pandemie scheint nun wirklich zu Ende zu gehen. Man sieht das daran, dass jetzt tatsächlich auch mal die Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie deren erbrachte Opfer während der Pandemie vom Ethikrat thematisiert werden.

Das Gremium hat sich am Montag dazu bequemt, sogenannte Ad-hoc-Empfehlungen vorzulegen, in denen die psychischen Belastungen junger Menschen während der Pandemie herausgestellt werden. Endlich, muss man dazu sagen. Der Ethikrat hatte im April schon mal eine umfangreiche Bewertung der Corona-Maßnahmen präsentiert und dabei auf Hunderten Seiten „Ethische Kriterien für Entscheidungen in einer Pandemie“ vorgestellt. Den Jugendlichen wird mit einigen wenigen Zeilen immerhin bescheinigt, dass ihre sozialen Beziehungen massiv beeinträchtigt worden seien und dass sie in wichtigen Phasen ihrer Entwicklungsfähigkeit ausgebremst wurden. Das war’s dann aber auch schon.

Dabei war spätestens Anfang 2022 klar, dass Kinder und Jugendliche nicht einfach nur Pech gehabt haben, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Sie sind vielmehr die großen Verlierer der Pandemie. Das Virus war viel weniger schädlich für sie als die Kontaktbeschränkungen, der Schulverzicht – und das permanente Pochen auf ihre Solidarität gegenüber den Großeltern, denen sie andernfalls den Tod bringen würden. So stand es 2020 allen Ernstes in einem Strategiepapier des damals CSU-geführten Innenministeriums.

Zu spät und auch zu wenig zu den speziellen Nöten der Jugendlichen kam in all der Zeit auch vom Ethikrat. Das räumte dessen Vorsitzende Alena Buyx selbstkritisch ein. Eine Entschuldigung wies sie jedoch kategorisch zurück. Die sei nur fällig, wenn man auch schuldig geworden sei. Da hat er Glück, der Ethikrat, dass er keine Verantwortung für politisches Handeln hat. Man will jetzt aber darüber nachdenken, wie man besser werden kann, so Buyx am Montag. Das kann man ja nur begrüßen.