Jessica Rosenthal twittert viel. Die vergangenen Tage schrieb sie vor allem über den Krieg in der Ukraine. Dass ihre Gedanken bei all jenen sind, „die heute Nacht gestorben sind, bei jenen, die in Angst die Nacht verbracht haben, die unter diesem schrecklichen Krieg leiden“. Sie fügte hinzu: „Nichts davon darf für uns normal werden. Dieser Krieg ist grausam und barbarisch.“

Die 29-Jährige ist seit 2021 für die SPD im Bundestag, sie gehört zu den vielen jungen SPD-Wilden, die neu ins Parlament gewählt worden sind. Jessica Rosenthal ist außerdem Juso-Vorsitzende und gilt als links sowie als vielfach konkreter als Scholz, sagen viele über die junge Politikerin. Da wundert es nicht, dass sie jetzt ausgesprochen hat, was ihre Partei derzeit spaltet. Neben dem Unmut darüber, dass die meisten in der SPD, inklusive Fraktionschef Rolf Mützenich, bis zur Regierungserklärung von Bundeskanzler Olaf Scholz am Sonntag nichts davon wussten, dass die Bundeswehr mit einem Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro ausgestattet werden soll.

Das werde sie nicht mittragen, sagte sie nun der Süddeutschen Zeitung. Und fügte hinzu: „Es bringt nichts, weitere Milliarden Euro in einem schwarzen Loch zu versenken“. Sie glaube, dass Gelder für die Bundeswehr bisher ineffektiv eingesetzt wurden. Am Dienstagmorgen hatte Generalsekretär Kevin Kühnert noch versichert, dass die Fraktion geschlossen hinter der Entscheidung des Kanzlers stehe, die Bundeswehr aufzurüsten.

Jessica Rosenthal aber schert aus und bringt damit – wenigstens ein bisschen – die seit zwei Jahren demonstrativ präsentierte Geschlossenheit der Partei ins Wanken, so wie es sich allerdings auch für eine Juso-Vorsitzende gehört. Ihr Vorgänger war Kevin Kühnert, ihn löste sie 2021 ab, auch er war damals noch aufmüpfig und wetterte gegen die Große Koalition.

Jessica Rosenthal ist in Hameln geboren, hat drei Geschwister. Ihre Mutter war alleinerziehend, dennoch studierte sie, die Tochter, in Bonn, arbeitete vor ihrem Einzug in den Bundestag in der ehemaligen Hauptstadt als Lehrerin an einer Gesamtschule. Der SPD trat sie auch im Glauben daran bei, dass diese eine Friedenspartei sei, in der Chancengleichheit, Gerechtigkeit und soziale Sicherheit oben anstehen, sagt sie oft. Der Krieg stellt nicht nur sie, sondern viele in der SPD nun vor eine Zerreißprobe. Rosenthal hat es ausgesprochen, aber sie sagt auch über sich selbst, sie sei nicht aus Zucker. Durch die Politik habe sie gelernt, einiges auszuhalten und einstecken zu können.