Kabul - Bei einem Selbstmordanschlag auf eine Hochzeitsfeier in Kabul sind mindestens 63 Menschen getötet worden. 182 Männer, Frauen und Kinder wurden zudem nach Angaben des afghanischen Innenministeriums verletzt, als sich der Attentäter am Samstagabend inmitten von hunderten Hochzeitsgästen in die Luft sprengte.

Es war der blutigste Anschlag in der afghanischen Hauptstadt seit Monaten. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Tat für sich. Der Attentäter sprengte sich am späten Abend in einem Hochzeitssaal im Westen Kabuls in die Luft. Vom Innenministerium veröffentlichte Fotos zeigten Leichen und zerrissene Kleidungsstücke in dem festlich geschmückten Saal.

„Barbarische Attacke“

Afghanistans Präsident Aschraf Ghani bezeichnete die Tat als „barbarische Attacke“, Regierungschef Abdullah Abdullah sprach von einem „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Auch das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den „entsetzlichen“ Anschlag. Die Gewalt in Afghanistan müsse aufhören.

Die IS-Miliz nahm den Anschlag für sich in Anspruch. Einer ihrer Anhänger habe inmitten der Hochzeitsgäste seinen Sprengstoffgürtel gezündet, teilte die Extremistengruppe am Sonntag über den Messengerdienst Telegram mit. Anschließend hätten Komplizen ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug detonieren lassen.

Opfer offenbar Schiiten

Die meisten Hochzeitsgäste waren offenbar Schiiten, die im mehrheitlich sunnitischen Afghanistan regelmäßig Opfer von Anschlägen insbesondere der IS-Miliz werden. Die radikalislamischen Taliban, die derzeit mit den USA über einen Friedensvertrag für das Krisenland sowie einen teilweisen Abzug von US-Truppen verhandeln, hatten bereits kurz nach der Explosion in Kabul jegliche Verantwortung abgestritten.

Das Brautpaar überlebte den Anschlag auf die Hochzeitsfeier. Der Bräutigam sagte dem Lokalsender Tolo News, er habe dabei zusehen müssen, wie seine Gäste, die er erst wenige Stunden zuvor lächelnd begrüßt hatte, tot aus dem Festsaal getragen wurden. Der Anschlag habe sein „Glück in Trauer verwandelt“.

Rund 1200 Gäste waren eingeladen

„Ich habe meinen Bruder, meine Freunde, meine Verwandten verloren. Ich werde mein Leben lang nie wieder glücklich sein“, sagte der Bräutigam. Auch seine Frau stehe noch unter Schock und falle immer wieder in Ohnmacht. Ein Hochzeitsgast sagte zu Tolo News, das Brautpaar habe rund 1200 Gäste zu der Feier eingeladen.

Der Hochzeitsgast Mohammed Farhag war nach eigenen Angaben gerade im Bereich für die Frauen, als die Explosion den Männerbereich des Saals erschütterte. „Alle rannten schreiend und weinend nach draußen“, sagte Farhag der Nachrichtenagentur AFP.

Hochzeitsfeiern immer wieder Ziel von Anschlägen

„Etwa 20 Minuten lang war die Halle voller Rauch. Fast alle im Männerbereich sind entweder tot oder verletzt.“ Auch zwei Stunden nach dem Anschlag seien immer noch Leichen aus der Halle gebracht worden. In Afghanistan werden Hochzeiten meist aufwendig mit Hunderten oder gar Tausenden von Gästen in großen Festsälen gefeiert.

Immer wieder werden Hochzeitsfeiern das Ziel von Anschlägen. Am 12. Juli wurden sechs Menschen getötet, als sich ein Selbstmordattentäter bei einer Feier in der Provinz Nangarhar in die Luft sprengte. Zu dem Anschlag bekannte sich damals ebenfalls die IS-Miliz. (afp)