Gaza/Tel Aviv - Erstmals seit Ausbruch des jüngsten Gaza-Konflikts sind israelische Soldaten durch Beschuss von Palästinensern getötet worden. Ein Reserve-Major und ein Unteroffizier kamen am Samstag bei einem Gefecht mit Kämpfern der radikalislamischen Hamas ums Leben, wie die israelische Armee am Abend bestätigte. Die Palästinenser waren durch einen Tunnel aus dem Gazastreifen in Israel eingedrungen. Der Vorfall hatte sich am Vormittag ereignet. In ersten Meldungen war noch von zwei verletzten israelischen Soldaten die Rede gewesen.

Nach Beginn der israelischen Bodenoffensive in der Nacht zum Freitag stieg die Zahl der Opfer unter den Palästinensern im Gazastreifen deutlich. Es gebe mittlerweile 341 Tote, teilte der Leiter der palästinensischen Rettungsdienste, Aschraf al-Kidra, mit. Zudem seien insgesamt 2560 Menschen verletzt worden. Die in der Nacht auf Freitag begonnene Bodenoffensive wird von den israelischen Streitkräften mit schwerem Raketenbeschuss unterstützt. In Israel starb bei einem Raketenangriff militanter Palästinenser ein zweiter Zivilist an den Folgen seiner Verletzungen.

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Israel hatte am 8. Juli erstmals wieder Stellungen der Hams im Gazastreifen angegriffen. Ziel der nachfolgenden Bodenoffensive sei es vor allem, das verzweigte Tunnelsystem der Hamas inner- und außerhalb des Gazastreifens zu zerstören, hieß es. Auch der Beschuss Israels durch Raketen der Militanten soll gestoppt werden. Zu Beginn der Bodenoperationen war ein israelischer Soldat getötet worden, der irrtümlich aus den eigenen Reihen beschossen wurde.

Eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete traf am Samstag ein Haus in einem Beduinendorf nahe der südisraelischen Stadt Dimona. Ein 32 Jahre alter Mann starb. Zwei Kleinkinder und zwei Frauen seien mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte Polizeisprecher Micky Rosenfeld mit. In der Nähe der Stadt befindet sich Israels Atomreaktor. Die Beduinen in der Negev-Wüste hatten sich zuletzt darüber beklagt, dass ihre oft ärmlichen Siedlungen nicht vom wirkungsvollen israelischen Raketenabwehrsystem „Eisenkuppel“ geschützt würden.

Stromausfälle und Ausfall der Wasserversorgung

Für die Zivilbevölkerung in Gaza wird die humanitäre Lage immer unerträglicher. Zur permanenten Todes- und Verletzungsgefahr gesellen sich lang anhaltende Stromausfälle und der Zusammenbruch der Wasserversorgung. Immer mehr Menschen fliehen vor den israelischen Angriffen. 61 500 Palästinenser hätten in den Schulen des Flüchtlingshilfswerks UNRWA Schutz gesucht, teilte UNRWA-Sprecher Chris Gunness am Samstag mit. Das seien mehr als beim letzten großen bewaffneten Konflikt in Gaza um die Jahreswende 2008/09, fügte Gunness hinzu.

Auslöser der jüngsten Eskalation der Gewalt waren die Entführung und Ermordung von drei israelischen Teenagern und der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Eine 2012 vereinbarte Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen herrscht, wurde daraufhin endgültig Makulatur.

Ein Ende des blutigen Schlagabtausches war auch am Samstag nicht in Sicht. Ägypten warb für seinen Fahrplan für eine Waffenruhe, ohne Bereitschaft zu einem Nachbessern gezeigt zu haben. Der am Dienstag vorgelegte Entwurf hatte die Wünsche der Hamas nicht berücksichtigt und war von dieser abgelehnt worden. „Wir werden den Plan weiter anbieten und hoffen, sobald wie möglich Unterstützung dafür zu bekommen“, erklärte Außenminister Sami Schukri bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem französischen Amtskollegen Laurent Fabius in Kairo. (dpa)