Berlin - Donald Trump mag toben und zetern so viel er will. Die Institutionen der Vereinigten Staaten haben sich bislang doch noch als stabil genug erwiesen, den Angriffen des amtierenden Präsidenten auf eine entscheidende Grundregel der Demokratie standzuhalten: dass die Mehrheit zählt.

Das ist vor allem der vom kleinsten Bezirksgericht bis zum Obersten Gericht funktionierenden Justiz zu danken, die ausnahmslos jede der mehr als 50 Klagen der Anwälte Trumps gegen das Wahlergebnis vom 3. November kühl zurückgewiesen hat. Es gab einfach keine Beweise für Wahlfälschungen. Aber auch einigen aufrechten Demokraten in der Republikanischen Partei in Bundesstaaten wie Georgia, die allen Erpressungsversuchen des Präsidenten widerstanden haben, gültige Wahlergebnisse zu manipulieren oder zu missachten. Alles spricht nun dafür, dass die Mehrheit der Wahlleute des Electoral College Joe Biden sowie seine Vizepräsidentin Kamala Harris mit dem Mandat zur Übernahme ihrer Ämter im Januar ausgestattet hat. Man könnte sagen: Es ist gerade noch einmal gut gegangen.

Doch das ändert nichts an der beunruhigenden Erkenntnis, wie sehr das Trump-Virus die Republikanische Partei infiziert hat, wie sehr der Mann diese traditionsreiche Partei noch immer im Griff hat. 18 von Republikanern regierte Bundesstaaten haben die letzte Klage vor dem Obersten Gericht demonstrativ unterstützt, obwohl klar war, wie aussichtslos und unverfroren dieses Unterfangen war. Dazu mehr als die Hälfte der republikanischen Mitglieder des Abgeordnetenhauses. Sie alle stricken wider besseres Wissen mit an der Legende, der künftige Präsident der USA sei durch Betrug ins Amt gekommen. Sie untergraben damit die Legitimität der demokratisch gewählten neuen Regierung. Das ist der Versuch eines kalten Staatsstreichs.