Washington - Die Szene könnte in einem Satirefilm auf das Staatsfernsehen in autoritären Staaten spielen: Vor einer blauen Werbetafel mit dem Namen des Regierungschefs und ein paar Sternchen sitzt eine Frau mit langen blonden Haaren und liest vom Teleprompter Erfolgsmeldungen des Potentaten ab. Das Video hat eine extrem niedrige Auflösung und ist auch sonst von erbärmlicher Qualität. „Das sind die wirklichen Nachrichten“, verabschiedet sich die Sprecherin am Ende bis zur nächsten Wochen-Rückschau der „Real News“.

Doch die Propagandafilmchen, die von Millionen Amerikanern angeklickt werden, stammen nicht aus Nordkorea. Sie stehen auf der Facebook-Seite von Donald Trump. Jeden Sonntag lässt der amerikanische Präsident dort neuerdings seine Heldentaten verkünden. Vor einer Woche machte Schwiegertochter Lara Trump als Moderatorin den Anfang. An diesem Wochenende war dann Kayleigh McEnany, eine konservative Ex-CNN-Kommentatorin, dran. „Es ist traurig, dass die Erfolge von Präsident Trump so gezeigt werden müssen. Die Fernsehsender sollten endlich ihre Arbeit machen“, kommentierte das ein Facebook-Fan.

Tatsächlich eröffnete Lara Trump, die 34-jährige Ehefrau des Präsidenten-Sohnes Eric, ihren Clip gleich mit einem Angriff auf die „Lügenpresse“: „Ich wette, Ihr habt noch nicht gehört, was der Präsident diese Woche alles erreicht hat“, sagt die gelernte TV-Produzentin. Tatsächlich ist nichts von dem, was Lara Trump vorträgt, neu: Der Präsident hat sein Gehalt gespendet. Die Arbeitslosenquote ist auf den niedrigsten Stand seit 2001 gefallen. Und Trump hat die Polizisten, die den Attentäter des  republikanischen Abgeordneten Steve Scalise überwältigten, ausgezeichnet.

Was die Trump-News verschweigen

Das alles hatte man in der Woche zuvor auch in der Zeitung lesen können – und noch einiges mehr: Zum Beispiel, dass Schwägerin Ivanka Trump allen „America-first“-Parolen zum Hohn ihre Kollektion in Asien fertigen lässt, die Gesundheitsreform Trumpcare desaströs scheiterte und Sprecher Sean Spicer aus dem Amt gedrängt wurde. Davon sagt Lara Trump nichts. Stattdessen ergänzt sie die Nachrichten mit Kommentaren wie: „Das ist ein Präsident, der Amerika vor sich selbst stellt. Ich bin so stolz auf ihn.“

Es stimmt: Trump hat sein Präsidentengehalt gespendet. Er dürfte jedoch ein Vielfaches durch die Verquickung seines Amts mit den Wirtschaftsinteressen seines Hotel-und Golfclubimperiums verdienen. Auch hat der taiwanesische Apple-Zulieferer Foxconn tatsächlich angekündigt, ein Werk in Wisconsin zu eröffnen. Angelockt wurde er aber offenbar von staatlichen Steuergeschenken in Höhe von drei Milliarden Dollar, was das Trump-TV verschweigt.

Am Sonntag konnte man das Gefühl haben, einer Wiederholung der Erstausgabe mit alternativer  Besetzung beizuwohnen. Kayleigh McEnany verlas erstaunlich aufgeregt drei angeblich tolle Nachrichten: Präsident Trump habe 800.000 neue Jobs geschaffen, Vietnam-Veteranen ausgezeichnet und ein neues Einwanderungsgesetz auf den Weg gebracht. Über dessen Inhalt erfuhr man nichts, nur die Behauptung: „Über Jahrzehnte hat ein wachsender Zustrom von Ausländern die Gehälter der amerikanischen Arbeiter nach unten gedrückt. Präsident Trump setzt die amerikanischen Arbeiter wieder an erste Stelle.“ Tatsächlich braucht die amerikanische Wirtschaft dringend zugewanderte Arbeitskräfte, und der Gesetzesentwurf hat im Senat kaum eine Chance auf Umsetzung. Dass Trump in der chaotischsten Woche seiner Präsidentschaft seinen Stabschef und seinen Kommunikationsdirektor gefeuert hatte, erwähnten die „Real News“ nicht.

Entsprechend sarkastisch fallen die Reaktionen der Ostküsten-Elite aus. „Der Teleprompter wird direkt aus dem Twitter-Konto des Präsidenten gefüttert“, lästerte der Late-Night-Talker Stephen Colbert. Doch die treue Trump-Fangemeinde sieht das ganz anders. „Die Linke jammert, dass der Präsident die sozialen Medien nutzt, weil sie nicht will, dass er zu uns durchdringt“, lobte ein Facebook-Follower Trumps Propaganda-Nachrichten. Rund 2,3 Millionen Amerikaner haben die bizarre Wochenschau inzwischen angeschaut.