Berlin - Das Gebirgsjägerbataillon 232 der Bundeswehr macht sich in dieser Woche auf. Mit Stroh und Fellen verkleiden sich die Soldaten in Berchtesgaden, sie packen Ruten ein und Glocken. Als „wilde Gestalten“ seien die Soldaten in Syrien unterwegs, schreibt die Wochenzeitung der Bundeswehr „Bundeswehr aktuell“ in ihrer aktuellen Ausgabe. Der Text steht in der Rubrik „Vermischtes“. Es ist ein bayerischer Nikolausbrauch, an dem sich die Gebirgsjäger da beteiligen, der Umzug der Krampusse, der Nikolausgehilfen also.

Technsich-abstrakte Berichterstattung

Auf der Titelseite der Zeitung winkt keine Weihnachtstradition. Dort fliegt ein Tornado eine leichte Rechtskurve. „Beistand für Frankreich“, steht darüber. Es sieht technisch-abstrakt aus, so wie viele Berichte über den geplanten Syrien-Einsatz der Bundeswehr in den vergangenen Tagen bebildert waren: mit Flugzeugen, Aufklärungssatelliten und Kriegsschiffen. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, hat nun erstmals auch die Zahl der Soldaten genannt, die zum Einsatz kommen werden. Voraussichtlich würden 1200 Soldaten benötigt, sagte Wieker der Bild am Sonntag. Damit steht die Bundeswehr vor ihrem derzeit größten Auslandseinsatz. Insgesamt sind derzeit rund 3000 Soldaten im Ausland im Dienst, die meisten davon in Afghanistan und im Kosovo.

Einsatz richtet sich gegen den IS

Im internationalen Einsatz in Syrien, der sich gegen den terroristischen Islamischen Staat (IS) richten soll, will die Bundesregierung vier bis sechs Aufklärungs-Tornados stellen. Sie würden wohl in der Türkei stationiert. Eine Fregatte soll im Mittelmeer den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ schützen, von dem aus Kampfflugzeuge zu Luftangriffen nach Syrien starten.

Die Bundesregierung hat dies nach den Anschlägen von Paris zugesagt. Deutsche Tankflugzeuge sollen den Treibstoff für die Bomber liefern. Außerdem soll die Bundeswehr Satellitentechnik zur Verfügung stellen. „Das ist ein gefährlicher Einsatz“, hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen gesagt. Generalinspekteur Wieker geht nur wenig mehr ins Detail: Es bestehe Gefahr durch Beschuss vom Boden. Der Einsatz von Aufklärungsflugzeugen sei genauso riskant wie der von Kampfbombern. Von einem Rückzug der Bundeswehr in die zweite Reihe will er deshalb nicht reden.

Bereits am Dienstag will das Kabinett die Details des Mandats beschließen. Der Bundestag, der dem Einsatz zustimmen muss, könnte sogar noch in dieser Woche entscheiden. Der Vize-Vorsitzende der Linkspartei, Jan Korte, erklärte, die Pläne seien „zum jetzigen Zeitpunkt absolut völkerrechtswidrig“.

Erinnerung an Bosnien-Einsatz

Die Bundeswehr-Zeitung erinnert in ihrer aktuellen Ausgabe an ein Datum vor 20 Jahren. Am Nikolaustag 1995 stimmt der Bundestag für den Einsatz der Bundeswehr in Bosnien – wenige Monate vorher waren beim Massaker von Srebrenica, bei dem Tausende Bosnier umgebracht worden. Srebrenica war als Uno-Schutzzone deklariert (die jetzt im Übrigen von manchen auch wieder für Syrien gefordert werden), die bosnisch-serbische Armee kümmert das nicht. Der Bosnien-Einsatz der Bundeswehr dauerte 17 Jahre.