Kämpfer für die Freiheit: Politiker würdigen Werner Schulz

Der Bürgerrechtler und langjährige Grünen-Abgeordnete Werner Schulz ist gestorben. Der Bundespräsident und der Bundeskanzler würdigen seine Verdienste - und ...

ARCHIV - Der verstorbene Bürgerrechtler und langjährige Grünen-Abgeordnete Werner Schulz.
ARCHIV - Der verstorbene Bürgerrechtler und langjährige Grünen-Abgeordnete Werner Schulz.Hendrik Schmidt/dpa/Archivbild

Berlin-Der frühere DDR-Bürgerrechtler Werner Schulz ist völlig unerwartet bei einer Veranstaltung im Berliner Schloss Bellevue gestorben. Politiker aus ganz Deutschland zeigten sich betroffen und würdigten sein Wirken.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete Schulz als leidenschaftlichen Kämpfer für Demokratie und Freiheit. „Werner Schulz war einer jener mutigen Persönlichkeiten, denen wir alle in unserem wiedervereinten Land den Fall der Mauer verdanken“, schrieb Steinmeier am Mittwoch der Witwe Monika Schulz. „Für seine Courage, seine stets aufrechte Haltung und zugleich für seine Analysekraft habe ich ihn zutiefst bewundert.“ Schulz werde ihm als wichtiger und hoch geschätzter Gesprächspartner fehlen.

Im Kondolenzschreiben Steinmeiers heißt es: „Die Nachricht vom plötzlichen Tod Ihres Mannes, der heute hier bei uns im Hause so tragisch mitten aus dem Leben gerissen wurde, hat mich zutiefst bestürzt und macht mich sehr traurig.“

Schulz habe in der DDR unerschrocken und beharrlich trotz Repression zunächst in der kirchlichen Friedensbewegung, später als Mitbegründer des Neuen Forums und als Mitglied des Zentralen Runden Tisches der DDR für eine demokratische Revolution gekämpft. Als einer der ersten ostdeutschen Abgeordneten im Bundestag sei er über Parteigrenzen hinweg hoch geachtet gewesen. Schulz habe aus eigener Erfahrung ein sehr feines Gespür für die Bedrängnis gehabt, in die Freiheitsliebende gerieten, wenn Staaten sich zu autoritären Systemen entwickelten, schrieb Steinmeier weiter. „Früh hat er auf die wachsende Bedrohung der russischen Opposition, auf den wachsenden Nationalismus des Systems Putin hingewiesen.“

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) würdigte Schulz auf Twitter: „Er hat sich sehr verdient gemacht um unser Land, um das Zusammenwachsen von Ost und West“, so der Regierungschef. „Meine Gedanken sind bei seiner Familie und den Weggefährten - ihnen wünsche ich viel Kraft.“

Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) teilte mit, sie sei traurig und schockiert vom plötzlichen Tod von Schulz. „Er konnte wie kein anderer den Totalitarismus des SED-Regimes und den Unterschied zur Demokratie und Rechtsstaatlichkeit begreifbar machen.“ Schulz sei Bürgerrechtler durch und durch gewesen. „In der damaligen DDR, im Bundestag und Europaparlament war er ein glaubwürdiger Kämpfer für Demokratie und Freiheit“, sagte Roth. „Seine Stimme und seine aufrüttelnde Einmischung werden fehlen.“

Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) schrieb auf Twitter, der Tod von Schulz erfülle sie mit Trauer. Bereits als Bürgerrechtler in der DDR habe er unter Einsatz seiner Freiheit für das Ende des dortigen Regimes gekämpft. „Am 33. Jahrestag des Mauerfalls verlieren wir mit Werner Schulz einen unermüdlichen Verfechter der Demokratie.“

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) würdigte Schulz als einen im besten Sinne Getriebenen im Dienste derDemokratie. „Sein Denken war geprägt vom Mut zum Widerspruch. Seine Biografie ist Beispiel für die Selbstermächtigung des mündigen Staatsbürgers, der sich handelnd mit anderen zusammenschließt und so auf die Veränderung der Verhältnisse einwirkt.“

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) bezeichnete den Grünen-Politiker als wichtige Stimme der deutschen Demokratie. „Als DDR-Oppositioneller, als Politiker und Redner betonte er unermüdlich die Bedeutung des Gesprächs, Sachverstandes und das klare Bekenntnis zur Demokratie für unsere Gesellschaft.“

Die Direktorin der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Anna Kaminsky, teilte mit: „Wir verlieren mit Werner Schulz einen engagierten, streitbaren und vor allem warmherzigen Unterstützer.“ Schulz war seit Gründung der Stiftung 1998 Mitglied des Stiftungsrates. Desen Vorsitzender Markus Meckel würdigte Schulz ebenfalls: „Seit Jahren kritisierte er weitsichtig – insbesondere auch als Abgeordneter des Europäischen Parlaments – die deutsche Russlandpolitik und mahnte eine realistische Auseinandersetzung mit Putin an.“

Schulz war am Mittwoch im Alter von 72 Jahren bei einer Veranstaltung zum 9. November im Schloss Bellevue überraschend gestorben. 1989 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Neuen Forums, das er am Runden Tisch vertrat. 1990 wurde Schulz Mitglied der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR. Vom Oktober 1990 bis Oktober 2005 gehörte er für Bündnis 90/Die Grünen dem Bundestag an, von 2009 bis 2014 dem Europaparlament.