Kandel - Fast drei Monate nach dem gewaltsamen Tod der 15-jährigen Mia in Kandel haben laut Polizei etwa 3000 Menschen in der südpfälzischen Stadt demonstriert. Etwa 2000 davon folgten am Samstag dem Aufruf des Bündnisses „Wir sind Kandel“, das für Vielfalt und Toleranz und gegen Hass und Hetze eintritt. Dazu gehörten auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sowie Vertreter von Parteien, Kirchen und Gewerkschaften. Etwa 1000 andere nahmen an einer Demonstration der rechtspopulistischen Initiative „Kandel ist überall“ teil, die unter anderem die Schließung der deutschen Grenzen fordert. Das Mädchen Mia war mutmaßlich von seinem Ex-Freund getötet worden, einem Flüchtling aus Afghanistan.

Ministerpräsidentin Dreyer sagte, man lasse es nicht zu, dass der Tod der 15-Jährigen instrumentalisiert werde. Kandel lasse sich nicht zu einer Kulisse für Rechtsextremisten und Populisten machen. „In unserem Land leben Menschen friedlich und tolerant zusammen, und wir wollen, dass das in Zukunft so bleibt“, rief Dreyer den Demonstranten zu.

CDU-Politiker: „Unerträglich für diese Stadt“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhardt sagte, seit Wochen müsse man erleben, wie der Tod der 15-Jährigen von rechtsradikalen Kräften aus ganz Deutschland für deren Zwecke missbraucht werde. „Das ist unerträglich für diese Stadt, unerträglich für die ganze Region.“ Zuletzt waren am 3. März in Kandel etwa 4500 Demonstranten und Gegendemonstranten gezählt worden.

Bei Angriffen von Anhängern des linken Spektrums auf Polizisten wurden nach Angaben des Polizeipräsidiums Rheinpfalz drei Beamte leicht verletzt. Sie konnten aber im Dienst bleiben. Fünf Menschen wurden vorläufig festgenommen. Einer hatte laut Polizei den Hitlergruß gezeigt. Die Polizei erteilte Platzverweise. (dpa)