Eigentlich ist am Aschermittwoch alles vorbei. Doch die Idee des langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, ausgerechnet den TV-Total-Moderator Stefan Raab im Herbst das Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück moderieren zu lassen, hat das offizielle Ende der tollen Tage überstanden − und bewegt nun die politische Arena.

Niemand Geringeres als die Kanzlerin ließ am Freitag ausrichten, es bleibe selbstverständlich den Fernsehsender vorbehalten zu entscheiden, welche Moderatoren sie für das TV-Duell um das Kanzleramt einplanten. Zuvor hatte bereits der SPD-Kandidat Peer Steinbrück seinen Widerstand gegen den Entertainer Raab aufgegeben. Über das Boulevardblatt Bild ließ Steinbrück mitteilen: „Wenn Angela Merkel... auch mit Stefan Raab einverstanden ist, wird es so geschehen.“

Damit widersprach sich Steinbrück zunächst einmal selbst. Denn vor zwei Tagen noch hatte er durchaus nachvollziehbar argumentiert, Politik sei keine Unterhaltungssendung, deshalb sei der Veranstalter etwa der Wok-WM nicht der geeignete Moderator für ein Duell der beiden Spitzenkandidaten.

Hohe Sprünge und flache Witze

Irgendwann muss den Strategen im Willy-Brandt-Haus aber gedämmert sein, dass man womöglich zu bierernst und langweilig erscheinen würde, wenn man Pro-Sieben-Mann als Moderator ablehnt. Tatsächlich entwickelt die Vorstellung selbst bei nüchternen Parteimenschen zunächst einmal einen gewissen Charme, durch die Teilnahme des berufsjugendlichen Entertainers an dem Format Kanzlerduell Zielgruppen jenseits von Politik-Junkies und Rentnern zu erreichen.

Mit dem Namen Raab verbinden sich im Privatfernsehen sportliche Duelle im Fußball-Tennis, Hufeisenwurf oder Rollhockey genauso wie spektakuläre Sprünge vom Zehn-Meter-Turm und Witze auf Karnevalsniveau. Könnte es dem Mittvierziger nicht auch gelingen, eine Veranstaltung wie dem Kanzlerduell neues Leben und Leidenschaft einzuhauchen?

In Berlin überwiegt die Skepsis. Ein Rundruf bei den Parteizentralen stößt auf wenig Enthusiasmus. Nein, man möchte sich nicht so gerne zu der Frage äußern, ob die Idee eine überfällige oder eine gefährliche Entertainisierung der Politik bedeute. Die Parteien haben ihre Erfahrungen gemacht, niemand möchte sich als Spaßbremse outen. Deshalb gibt es unisono die Antwort: Die Sender bestimmten, welche Moderatoren sie einsetzten. Die Grünen stellen, immerhin, das komplette Format infrage. „Wir Grünen verlangen eine Rückkehr zur altbewährten Elefantenrunde mit den Spitzenkandidaten aller im Bundestag vertretenen Parteien“, sagte Grünen-Sprecher Jens Althoff der Berliner Zeitung. Es sei nicht einzusehen, weshalb nur Union und SPD im Fernsehen zum Duell auftreten dürften, schließlich würde anders als in den USA hierzulande der Kanzler nicht direkt gewählt.

Das Format lässt Spontanität nicht zu

Zumindest vom Prinzip her wollen weder ARD noch ZDF das Duell missen. Der direkte Schlagabtausch habe sich als attraktiv erwiesen, „auch für das junge Publikum“, sagte ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Wirklich Lust, sich zu Stefan Raab als möglichem Co-Moderator eines solchen Duells zu äußern, hatten weder er noch sein ARD-Kollege Thomas Baumann. Frey erinnerte daran, dass bei einem TV-Duell die Kanzlerkandidaten, nicht die Moderatoren im Mittelpunkt stehen: „Das ZDF legt jedenfalls Wert auf sachorientierte, seriöse und journalistisch profilierte Sendungen.“ Und auch da gelte: Besser kann man es immer machen.

Die Konstellation von 2005 und 2009, zwei Kandidaten vier Journalisten gegenüberzusetzen, halten weder Frey noch Baumann für optimal. „So gesehen“, sagte der ARD-Chefredakteur, sei Steinbrücks Vorschlag, zwei Sendungen zu machen, eine bei den Öffentlich-rechtlichen, eine bei den Privaten, „interessant und gut“.

Das Kanzlerduell selbst mit seinen starren Regeln, den festen Redezeiten und der aseptischen Studio-Atmosphäre hat indes bislang wenig Erhellendes gebracht. Die Kontrahenten sind hervorragend vorbereitet und überlassen nichts dem Zufall. Die Farbe von Anzug, Krawatte oder Kostüm beschäftigen die jeweiligen Lager im Vorfeld, die Abschluss-Statements sind vorformuliert und auswendig gelernt − und selbst die politischen TV-Top-Moderatoren blieben bislang unter ihren Möglichkeiten, weil das Format Spontanität einfach nicht zulässt. Eine Spontanität, für die Stefan Raab seit Jahren bekannt ist.

Bei all der Aufregung um Raab droht eine Aussage der Kanzlerin unterzugehen. Wie in den Vorjahren werde es 2013 nur ein Duell geben, ließ Merkel ausrichten, das habe sich bewährt. Womit die Chancen für Stefan Raab gesunken sind.